SKIZZEN

Ich weiß noch nicht ganz, was mir das hier bringen wird. Ich musste einfach mal einige Gedanken loswerden, einige Situationen. Vielleicht ist es nur Tand und ich verwerfe es schnell. Vielleicht wird das eine lange Geschichte. Vielleicht eine Kurzgeschichte. Ich weiß es noch nicht. Aber ich lasse es fließen, und vielleich gefällt es euch.

Meine erste Erinnerung ist grün wie das Gras in dem ich lag. Sonnenstrahlen kitzelten mein Gesicht. Die Atmosphäre war ruhig und mit meinen vorsichtigen ersten Blicken konnte ich einzelne Grashalme ausmachen und das Rascheln und Rauschen der Blätter einiger hoher Pappeln im Wind hören. Kleine weiße Gebilde schwebten mit Leichtigkeit durch die Luft und ließen sich hin und wieder im Gras nieder. Alles war grün, ein sattes warmes Grün. Weiche und fluffige Pollenknäuel wuden vom Wind sanft über die Wiese getragen und ich folgte ihnen mit meinem Blick. Ich hörte, wie die Pferde das Gras abrupften und mit ihren starken Kiefern zermalmten. Manchmal zischte der Schweif eines der Pferde durch die Luft, um lästige Fliegen zu vertreiben. Wenn ihnen die Schirmchen des Löwenzahnes in die Nüstern flogen, schnaubten sie.

Wenn ich über Fantasie nachdenke, dann sehe ich viele Farben vor mir. Ein Regenbogen, ein See, ein ein Meer an Farben sehe ich vor mir, mit weißen Schaumkronen. Sie wogen und sprudeln und spritzen und es türmen sich unendlich hohe Wellenberge auf nur um gegen hohe Kreidefelsen zu branden und Gischt spritzen zu lassen. Aus diesen weißen Schaumkronen und Gischtspritzern des Farbenmeers werden Pferde, wilde unzähmbare Pferde, die über das Meer galoppieren. Sie sind strahlend weiß und schillernd spiegelt sich die unglaubliche Vielfalt der Fantasie auf ihrem Fell.

In einem Punkt zerfließt das Meer und wird zum Himmel und alles wird eins, alle Farben sind eine Fläche und eine Dimension. Ich kann alles erschaffen aus ihnen, alles, denn es gibt hier keine Grenzen. Meine Farben werden zu Gestalten, zu Menschen und Bäumen. Sie werden zu Efeu in magentarot und wucherndem wilden Wein in lindgrün. Alles kann wachsen und gedeihen und warme gelbe, zitronengelbe Sonnentrahlen erwecken alles zum Leben. Es gibt silberne Punkte irgendwo im Himmel und im Meer und in der Luft. Das sind meine Sterne, sie leuchten glitzernd und umringen den Mond. Der Mond selbst ist eine silberne Sichel, er besteht aus geschmolzenem, flüssigen Silber und ist kühl und beruhigend. Die Sichel strahlt zusammen mit den Sternen in die Farben hinein, in meiner Fantasie.

Die Fantasie ist auch wie ein Nebel im Dunklen. Ein unendliches Universum an Schwarz wird duch sie zum Leben erweckt. Alles kann in ihr entstehen, sie ist grenzenlos. Grüngelb und ultramarinblau vermischen sich und strahlen weiß und das Weiß verdichtet sich in der Mitte zu einer Galaxie an Leben. Glänzend läuft es an den Enden aus und beseelt das schwarze Nichts, in dem es genug Platz hat, um sich auszubreiten. Das Schwarz ist nicht boshaft oder bedrohlich, es gibt Raum und lässt der Fantasie ihren Spielraum.

Meine Fantasie ist für mich ein Luftballon, der mich tragen kann und aus der grauen Alltagswelt mitnimmt. Ein Ballon, der mit dem Himmel verschmilzt und mich lebendig macht. Genauso ist meine Fantasie wie ein Regenbogen, aus unendlich vielen Farben. Ein Regenbogen, der dort, wo er mit der Stadt verschmilzt, ihr eine Seele schenkt und sie in sein Leben eintaucht. Denn seine Farben versiegen nie und die ganze Welt soll bunt sein, eine Meer an unbegrenzten Möglichkeiten.

Wenn ich lese, betrete ich eine andere Welt. Eine mir vertraute Welt, die aber gleichzeitig fremd ist. Ich habe sie nicht entstehen lassen, aber ich kann sie verändern wie ich will. Sie folgt ihren eigenen Gesetzen, diese fremdvertraute Welt, aber ich betrete sie und bin Betrachter in ihrem Gefüge. Ich bin immer nur Betrachter und Besucher, es ist nie meine eigene Welt, aber sie bietet mir dennoch ein neues Zuhause.

Das ist es, was ich liebe, wenn ich ein Buch zum zweiten Mal aufschlage und zum zweiten Mal in seiner Geschichte versinke. ich kenne seine Welt schon, seine Geschichte, und es fühlt sich an, als würde ich nach Hause kommen. Ich sehe Orte, die unverändert geblieben sind, seit ich sie das letzte mal besuchte. Mir begegnen Menschen und Wesen, die ich alle schon kenne und mir zum Freund gemacht habe. Doch häufig entdecke ich trotzdem neue Winkel und Lichtungen, die mir vorher verborgen blieben.

Lesen ist wie Träumen. Ich sehe alles, wei ich es sehen möchte und dennoch gehorcht es einem Gesetz, das ich nicht fassen kann. Alles besteht aus meinen Gedanken und aus meinen Farben, aber ich habe es nicht erschaffen und bin nicht Herr dieser Welt. Ich bin immer nur Besucher und Betrachter, Freund und Mitspieler.

Die Bücher geben mir Orte, an denen ich zu Hause bin. Sie bergen weite, weite unendliche Ebenen und Berge, die nie einer bestieg. Es finden sich Städte gefüllt mit einer bunten Menschenmenge und Tiere und Fabelwesen, mit denen ich sprechen kann. Und all das ist so klein, es kann mit nur sechsundzwanzig Zeichen erschaffen werden. Eine ganze Welt findet Platz zwischen zwei Buchdeckeln, verstaubt in einem Regal und sie wartet nur darauf, entdeckt zu werden und dem Abenteurer ihre Wunder zu zeigen.

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