non scholae, sed vitae discimus

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Der Sinn von Schule ist ein komischer Kerl.

Denn je länger ich die Schule besuche, desto mehr Spaß hat er am Versteckenspiel.

Am Anfang war er noch ernst und offensichtlich und sprang mit direkt ins Gesicht; am Ende verlässt er unauffällig dass Schulgebäude.

Am Anfang lernte ich lesen und rechnen. Ich lernte das ABC und 1+1. Am Ende rechne ich mit Buchstaben und lese Texte nicht, sondern analysiere. Ich rechne a2+b2=c2 und suche mit wissenschaftlicher Genauigkeit irgendwelche Thesen und Bilder.

Am Anfang malte ich, was ich im Kopf hatte und schrieb farbenfrohe Aufsätze. Am Ende ist der Kopf leer und mein Kunstwerk eine Aufgabe und wenn ich etwas schreibe, dann wird es mit einem Erwartungshorizont genauestens schematisiert, sodass alle Farben zerfließen.

Was soll das? Wo ist er, der Sinn von Schule? Wie hieß es? Non scholae sed vitae discimus. Aber brauche ich das für mein Leben?


Ich lese einen Text nicht als ganzes, sondern pflücke mir bestimmte Stilmittel heraus. Ich bediene mich an den Dingen die ihn ausmachen und sehe nicht mehr wie er ist. Ich blicke hinter die Dinge und verliere sie aus den Augen. Ich vergesse zu schreiben was mich bewegt und muss mich zügeln, meinen Unmut über dieses Versteckspiel und das plötzliche Verschwinden des einstigen Sinnes nicht in meine Hausaufgabe zu schreiben, weil Wut nicht in einen Erwartungshorizont passt. Auch nicht unter der Kategorie: “Erfüllt ein weiteres aufgabenbezogene Kriterium“

In Physik erfahre ich was 9,81 mir sagen soll. Das ist die Beschleunigung für alle im freien Fall befindlichen Dinge. Ich lerne das Weg-Zeit-Gesetz - s=(g/2)×t2 - und das Geschwindigkeit-Zeit-Gesetz - v=g×t - anzuwenden, beide gelten für den freien Fall. Doch wer will bei einem Flugzeugabsturz oder beim Bungee Jumping wissen in welcher Relation Zeit, Weg und Geschwindigkeit stehen? Wer hat in diesen Situationen einen Taschenrechner bei sich? Ich meine, wer außer Physik- und Mathelehrern. Will man nicht lieber einfach nur gesund auf dem Boden ankommen?

Was hilft mir ein Quintenzirkel, wenn ich Musik höre oder auf 'nem Festival bin? Ich muss nicht wissen, wie viele bs und fis' gespielt werden. Ich brauche Stimmung.

Wann, außer in Mathe, brauche ich eine e-Funktion? Zu wissen, was eine e-mail ist, scheint mir wichtiger.

Und warum muss ich in Religion wieder Texte lesen und auseinander nehmen, obwohl es um das Glauben geht, nicht ums Pauken?

Wo bist du, Sinn von Schule?

Ich finde dich nicht, obwohl ich nie mit dem Suchen aufgehört habe.


Aber wenn ich jetzt zurückblicke, auf meine Zeit, da sehe ich dich vielleicht. Vielleicht bist du unsichtbar geworden, sodass man schließlich nur die Fußspuren sieht, die du hinterlässt.

Ich habe gelernt Dinge hinzunehmen und meine Energie nicht mit dem Sichüberunterrichtaufregen zu vergeuden. Ich habe gelernt, dass Lehrer Menschen sind, keine Maschinen. Denn Maschinen hätten auf so mancher Klassenfahrt keinen so außergewöhnlichen Begleiter abgegeben.

Ich habe Erfahrungen gemacht und Lektionen über Freundschaft gelernt. Ich weiß auch wie man bestimmten Lehrern Socken andreht, damit wir unseren Abiabll finanzieren können.

Ich weiß, wie das ist, wenn man mit dem Bus zur Schule muss und kenne den kürzesten Weg zum Penny.

Ich habe Shakespeare gelesen und kann jetzt mit Allgemeinbildung glänzen und weiß wie man in einer typischen Nullbockgruppenarbeit trotzdem noch 11 Punkte abstaubt.

Und vor allem habe ich gelernt, mich mit Menschen zu verstehen, zu arrangieren und ich zu sein.


Es geht also später nicht mehr um das Offensichtliche. Am Ende lernt man für's Leben.

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