Chicos Leben oder: Nur für 10 Minuten

all © by Sophia, bunte-stories.jimdo.com

Es war herrlich ruhig auf der großen, weitläufigen Wiese, als der Abend sich über das Land senkte. Calinka, die tragende Stute, sollte bald ihr Fohlen bekommen und in der ganzen kleinen Herde wurde vermutet, dass heute das neue Pferdekind das Licht der Welt erblicken würde.

Plötzlich trat ein Wallach aus dem Kreis der Pferde, die in der Nähe standen und Calinka beobachteten. Er trabte erst nur an, doch dann verfiel er in einen schnellen Galopp.

Yuro, so hieß der Wallach, stellte sich an das Gatter in der Nähe des Bauernhauses und schnaubte, wieherte und trat solange, bis der Bauer aus dem Haus kam und zu Yuro herantrat.

„Ist ja gut, ist ja gut, Yuro“, beruhigte er das Pferd und sah auf die Weide.

Er bemerkte, dass die Stuten mit den Wallachen einen Kreis gebildet hatten und der Leithengst Casanova abseits stand. Die Hengste auf der anderen Weide sahen neugierig zu.

Der Züchter öffnete das Gatter und scheuchte Yuro zurück auf die Weide. Dann fischte er sein Handy aus der Hosentasche und wählte die Handynummer der Tierärztin.

„Hallo, hier Tierärztin Astrid Strohe. Bist du's Dirk?“, meldete sie sich.

„Hallo Astrid! Es ist soweit. Calinka fohlt. Kannst du vorbei kommen? Für den Fall das nicht alles glatt läuft...“

„Ja, natürlich. Bin gleich da. Ciao!“

„Tschüss!“, verabschiedete sich Dirk.

Yuro hatte sich inzwischen hinter die anderen Stuten gestellt und beobachtete Kalinka gespannt.

Dirk rannte ins Haus, rief seiner Frau zu: „Sie fohlt!“ Er rannte nach oben, auf den Dachboden zu seinen Kindern Lennard und Nina. Nina war erst fünf und war noch nicht einmal richtig wach, als sie sich plötzlich auf dem Arm ihres Vater wiederfand.

„Papa, was ist los?“, fragte sie müde.

„Calinka bekommt ein Baby, Spätzchen“, sagte Dirk und er küsste Nina vorsichtig auf ihre dunkelbraunen Locken.

In dem Moment, als Lennard das Haus verließ, fuhr Astrid mit ihrem Landrover vor. Sie bremste und sprang aus dem Auto. Die Tierärztin wartete noch kurz auf alle Anderen, dann betraten sie zusammen die Weide.

Die Kinder blieben mit ihrer Mutter am Rand stehen, Dirk und Astrid stellten sich ein wenig näher zu Calinka und ihrer Herde. Kurze Zeit war es totenstill auf dem ganzen Bauernhof, man hörte nur das Stöhnen der Stute, dann konnte man wahrnehmen wie wieder Leben in die Herde kam. Sie hörten wie Calinka aufstand und zu ihrem Fohlen ging. Sie konnten beobachten, wie sie das kleine Pferd ableckte und das Fohlen auf seinen wackeligen und stacksigen Beinen versuchte aufzustehen.

Dirk musste lächeln. Seit elf Jahren hatte er schon etliche Geburten erlebt, auch die seiner Kinder, doch jedes Mal machte es ihn glücklich dabei zu zusehen, wie die Fohlen versuchten auf eigenen Beinen im Leben zu stehen. Die Grillen zirpten, in der Ferne klagte ein Käuzchen und die Nacht war einfach unbeschreiblich.

Von hinten hörten sie Schritte. Es war der Rest der Familie. Eine kleine warme Hand zog Dirk am Arm.

„Ist das das Baby?“, wollte Nina von ihrem Papa wissen.

„Ja, das ist das Fohlen. Magst du es?“

„Jaaa! Es ist wie mein Hotti“, erzählte Nina mit ihrer Kleinkindstimme. Ihr Hotti war ein Plüschfohlen, das sie mit zwei Jahren zu Weihnachten bekommen hatte.

„Ist das ein Mädchen oder ein Junge?“, fragte Lennard nach.

„Also, im Ultraschall war es ein Junge, das wird sich jetzt wohl kaum geändert haben.“

 

 

Auf dem Weg zum Haus bzw. zu Astrids Landrover fragte Dirk Astrid nach dem Pass, denn jedes Pferd, das später einmal zu irgendeinem Turnier angemeldet werden soll, braucht einen Equiden Pass. Und da das neue Fohlen aus einer ziemlich guten Linie stammte, waren Turniere natürlich vor geplant. Astrid antwortete, dass sie am nächsten Morgen um halb elf vorbei kommen würde, um den Equiden-Pass auszufüllen.

 

 

Die Herde ruhte nicht, während die Menschen schlafen gingen, sie stand schützend um das Fohlen herum, sogar die anderen Fohlen standen dort und sahen ihm bei seinen ersten Schritten zu. Calinka beschnupperte ihr Kind immer wieder und leckte ihm das Fell.

Es war bereits Nacht und es war kälter geworden, aber was kümmerte das ein Pferd? Das Fohlen war unermüdlich bei seinen Versuchen zu laufen. Endlich hatte es es geschafft zu stehen und lief vorsichtig zu seiner Mutter. Es stellte sich ganz dicht an sie und begann ihre Milch zu trinken.

Casanova und die Wallache -unter ihnen auch Yuro- versuchten die ganze Zeit einen Blick auf das neue Tier zu werfen, doch die Stuten schützen es sehr gut.

Müde vom Laufen und trinken legte sich das Fohlen neben seine Mutter auf den Boden. Das Gras streifte um seine Beine und Calinka streichelte ihr Kind noch einmal mit den Nüstern. Kurze Zeit später war das Fohlen in seinen Träumen versunken.

 

 

Am nächsten Morgen fuhr Astrid um halb elf vor. Sie wirbelte eine Menge Staub hinter sich auf, denn obwohl es erst Anfang Februar war, war es schon sehr sonnig und trocken. Dirk sah von seiner Arbeit auf -er hatte gerade einen großen Korb voll Heu nass gemacht- lies alles liegen und ging auf Astrid zu.

Sie hatte den Pass dabei und füllte die erste Seite aus:

 

Name: Chico26

Rasse: Trakhener

Geburtsdatum: 6.2.11

Vater: Casanova 174

Mutter: Calinka 2

Züchter: Dirk Krueger

 

Und der ganze Rest. Schließlich musste die Tierärztin die Abzeichen eintragen, also betraten sie die Weide.

Das kleine Hengstfohlen stand neben seiner Mutter und kaute an ihrem Schweif. So konnten sie gut die Abzeichen sehen. Chico war kakaobraun, hatte eine schwarze Mähne und ein kleine Schnurblesse genau in der Mitte des Kopfes, die als kleiner Punkt endete. An den Beinen hatte Chico keine richtigen Abzeichen, seine Hinterbeine waren weiß gesprenkelt. Allerdings hatte er rechts auf der Innenseite des Beines einen kleinen Fleck, der aussah wie eine Blume.

Dann trug Astrid noch die Wirbel ein.

 

 

Einige Monate später kam Astrid wieder, um Chico zu impfen.

Dirk fing das Fohlen Dies war ein schwieriges Unterfangen, denn das kleine Pferd war sehr widerspenstig. Dirk halfterte die Mutter auf und brachte sie zum Rand der Weide, Chico folgte ihr und sah interessiert zu. Er kam vorsichtig zu Dirk, Calinka und Astrid. Blitzschnell packte Dirk das Fohlen und Astrid impfte ihn - gegen Tetanus, Herpes und auch andere Krankheiten wie Tollwut und Influenza.

Es sträubte sich und schnappte nach Dirks Armen, aber das half nicht viel. Chico kam erst frei als Dirk ihn losließ. Er rannte auf die Weide, zu den anderen Pferden zurück und sah Dirk hochmütig an. Dann buckelte das Hengstfohlen noch einmal und schlug mit dem Schweif, doch das brachte nicht viel, da er noch sehr kurz war. Er versteckte sich hinter seiner Mutter und sah die beiden Menschen immer wieder an, als ob er damit sagen wollte: „Na? Wollt ihr mich nochmal fangen?“

 

 

Und Dirk fing Chico nochmal.

Diesmal war er aber schon etwas älter als ein halbes Jahr: Chico war größer und stolzer, hatte eine schönen Glanz und er war auch frecher geworden.

Nun übte Dirk mit ihm das Verladen, denn er wollte ihn Ende September auf einer Auktion verkaufen. Chico interessierte der Anhänger sehr, obwohl es sehr laut war, wenn seine Mutter mit ihm über die Laderampe lief. Neugierig schnupperte er an den Longen, die Dirk mit ein paar Arbeitern gespannt hatte. Auch und vor Allem, dass die Person, die ihn führte durch die kleine Tür vorne am Hänger verschwand, begeisterte den kleinen Hengst aufs Äußerste. Er steckte sogar ein, zwei Mal den Kopf durch die Tür. Nur wenn die Klappe geschlossen wurde zuckte Chico neben seiner Mutter zusammen, die an die plötzliche Dunkelheit und das unheimliche Geräusch schon gewöhnt war.

Mit Liebe und Geduld hatten Dirk, seine Frau und ein auf dem Hof beschäftigter Stallbursche es geschafft aus einem jungen und energiegeladenen Hengstfohlen in nur wenigen Wochen ein kleines verladesicheres, schnell lernendes und braves Pferd zu machen.

Mit Liebe und Geduld.

Zwei Dinge, die nun für viel zu lange Zeit aus Chicos Leben weichen sollten.

Früh am Morgen stand Dirk auf und weckte seinen Stallburschen Johannes, der auch bei Dirks Familie mit im Haus lebte. Der Auktionstag war gekommen. Und um pünktlich an zu kommen mussten sie früh losfahren – es warteten schließlich noch drei Stunden Fahrzeit und das Abladen und Anmelden auf sie.

„Johannes, wir nehmen den Transporter. Wir wollen Calinka mit Chico, Bianca mit Bijou und noch Mary mit ihren Zwillingen mitnehmen“, sagte Dirk.

Johannes ging und fuhr den Pferdetransporter vor, während der Züchter die genannten Pferde aus den Ställen holte. Die Stuten kannten dies schon, sie wussten, dass es nun in den Transporter ging zu irgendeinem Ort an dem sie mit ihren Fohlen unter vielen anderen, neuen Pferden sein würden. Aber dennoch war da eine Spannung: Denn jede der Stuten ahnte, dass ihr Kind nicht mehr lange bei ihnen bleiben würde. Chico spürte diese Spannung und schlug unruhig mit den Schweif. Er verkroch sich hinter seiner Mutter und atmete tief den Geruch ihres Fells ein.

 

 

Auf dem Auktionsplatz war es sehr voll, aber das machte Chico überhaupt nichts. Er fand es sogar toll sich vor den anderen kleinen Fohlen und den Zuschauern präsentieren zu dürfen. Mit stolz hochgereckten Kopf und in einem fleißigen Trab lief er neben seiner Mutter her und auch den Schweif trug er sehr hoch.

Der Auktionator ließ die potentiellen Käufer sehr weit bieten, angefangen bei 500 Euro. Immer höher stieg der Preis, denn viele wollten dieses stolze Pferdchen haben. Dieser Hengst, mit den schönen Gängen, der es liebte sich zu präsentieren und die Beine warf als müsste er alle Stuten der Welt, einschließlich seiner Mutter, beeindrucken. Und genau das schaffte.

„1000 Euro geboten! Wer bieten mehr als Tausend? Tausend zum ersten, zum zweiten ...“

„Tausend Fünfhundert! Hier Tausend Fünfhundert!“

„Tausend Fünfhundert geboten! Ah ich sehe da – Zweitausend! Wer bietet mehr als Zweitausend für diesen kleinen Prachtkerl? Da, Zweitausend Fünfhundert! Zweitausend Fünfhundert zum ersten, zum zweiten...“

„Hier Dreitausend Fünfhundert! Ich biete Dreitausend Fünfhundert Euro.“

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