Werwolfsgeheul

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Kapitel 1

Lia

 

Hallo, ich heiße Kaya und ich lebte in einem Städtchen namens Firá. Ich bin 13 Jahre alt und lebte mit meinen Eltern Ryta und Lars, den 2 Schafen Nycki und Mycki, einer Katze die Fyss heißt, meinem Pony Ytto, Bylli meinem Hund, den 4 Kühen Muuh, Lula, Fina und Selne und vielen Hühnern, WO? Erraten? Ich wohnte auf einem Bauernhof!

Meine Oma hat mir mal erklärt, dass „Firá“ in einer alten vergessenen Sprache „feuriger Wolf“ bedeutet. Hier in Firá lebt zwar kein Wolf, aber diese Stadt hat doch eine Besonderheit: Fast alle Einwohner haben hier ein „Y“ in ihrem Namen (Spricht man aber wie ein „i“ nur bei Ytto ist es ein „Ü“).

 

Es war eine außergewöhnlich kalte Mai-Nacht. So kalt kann es im Sommer gar nicht sein, denn wir heizten nur im Winter mit Kamin. Oma, Mama, Papa, Bylli und ich saßen vor dem wärmenden Kaminfeuer und sahen den Funken nach die im Feuer flogen. Bylli durfte heute mal drinnen schlafen, (das durfte er sonst nur im Winter) was er auch richtig genoss, indem er sich an meine Füße kuschelte. Langsam wurde mir der Fußboden zu kalt und ich setzte mich auf das Sofa. Bylli sprang hinterher. Ich sah aus dem Wohnzimmerfenster in unseren Garten. Nycki, Mycki und Ytto lagen jetzt bestimmt zusammen in ihrem Stall und wärmten sich gegenseitig. Die Hühner saßen bestimmt auch dicht zusammengekuschelt auf der Stange und schliefen. Bei Fyss war ich mir nicht sicher. Entweder war sie jetzt auf Mäusejadg oder sie schlief in unserer Scheune im Heu. Muuh, Lula, Fina und Selne schliefen jetzt aber ganz tief und fest, da war ich mir sicher. Plötzlich sah ich einen Schatten um das Haus schleichen. Oder war das nur Einbildung? Es könnte ja auch Fyss gewesen sein. Nein, der Schatten sah nicht aus wie Fyss' Schatten. Eher so wie ein Husky, oder wie ein Schäferhund, oder wie ein Wolf!? Nein, ein Wolf in Firá? Obwohl, Firá, „feuriger Wolf“... Aber wo war der Besitzer des Schattens? Ich bekam Angst, dass dieser Schattenwolf mich sehen könnte und als Opfer wählen würde, also sagte ich meiner Mutter, dass ich müde sei und lieber ins Bett gehen wollte.

Ich ging nach oben ins Badezimmer duschte mich und putzte meine Zähne und legte mich ins Bett. Auf meinem Nachttisch lag ein Märchenbuch. Genau das was ich jetzt brauchte: Geschichten die immer gut enden. Ich hörte die Treppe knarzen. ,Bestimmt ist das Papa, der mir Bylli bringt. Bylli ist der zutraulichste Hund der Welt',dachte ich.

Wie erwartet kam jemand in mein Zimmer, doch es war nicht Papa mit Bylli, es war Oma. „Oma was machst du denn hier? Ich hab gedacht du wärst Papa und würdest mir Bylli bringen!“, sagte ich verwundert. „Bylli kommt doch von alleine. Ich wollte dir nur gute Nacht wünschen“, erklärte Oma. „Aber das machst du sonst nie.“ Langes Schweigen. Nach zirka 3 Minuten sagte Oma: „Du hast ihn gesehen, oder?“ „Wen denn?“, fragte ich zurück. „Den Schattenwolf. Du hast den Schattenwolf gesehen“, meinte Oma. „Ja, Oma. Ich habe Angst vor dem Wolf. Du auch?“, meinte ich zu ihr. „Kaya, mach dir keine Sorgen und hab keine Angst. Ich habe keine Angst vor dem Wolf. Hab keine Angst um mich“, erwiderte Oma. „Was mei...“ „Es ist nicht schlimm. Gute Nacht. Schlaf jetzt, bitte“, unterbrach sie mich. ,Was heißt „Hab keine Angst um mich...“? Was meint Oma damit?', dachte ich. Dann schlief ich ein.

Ich wurde vom hellen Vollmond geweckt. Ich mochte das nicht so gern, denn vor dem Dunkel in meinem Zimmer habe ich dann Angst. Den Vollmond selbst, mag ich gern. Bylli schnarchte, falls Hunde das können. Ich stand auf und ging zum Fenster um mir den Mond anzuschauen. Dann wanderte mein Blick weiter über die Wiese.

Da war er: Der SCHATTENWOLF!!! Doch jetzt war er kein Schatten mehr, jetzt war er ein schwarzer Wolf mit silberner Schnauze, silbernen Pfoten und grell grün leuchtenden Augen. Er rannte um unser Haus und verschwand aus meinem Blickfeld. Ich war erleichtert, denn der Wolf war jetzt verschwunden. Doch plötzlich stupste mich von hinten etwas an. Ich drehte mich herum und sah dem Wolf direkt in die Augen. Er stupste mich bis zu Omas Zimmer und stellte sich erwartungsvoll neben die Tür. Ich verstand nicht was er mir sagen wollte. Der Wolf hielt seine eine Pfote neben die Türklinke. Was wollte er in Omas Zimmer? Wollte er sie etwa beißen?! Ich schüttelte den Kopf und wandte mich ab. Doch der Wolf ließ nicht locker: Er stieß mich energisch in Richtung Tür. Würde er mich fressen, wenn ich nicht die Tür öffnen würde? Langsam drückte ich die Klinke. Als die Tür auf war, sprang der ungebetene Gast auf Omas Bett und biss ihr ins Handgelenk. 1 Sekunde oder weniger, ein Augenzwinkern lang war Oma ein Wolf, dann hörte ich kein Atemgeräusch mehr. Der Wolf verblasste und war plötzlich weg.

 

Ich ging die Straße entlang. In den Gärten sprossen wundervolle Blumen. Die Bienen summten. Die Vögel sangen. Doch ich weinte. Die Tränen flossen aus meinen Augen und ich schluchzte. ,Warum hatte dieser doofe, doofe Wolf nur Oma gebissen?!', dachte ich wütend, ,hat das denn vielleicht damit zu tun, dass Oma mir gestern gesagt hat, ich sollte keine Angst haben? Sie hat den Wolf auch gesehen. Wusste sie etwa davon?' Noch wusste ich nicht, dass meine Vermutung fast genau richtig war, aber ich sollte es bald herausfinden.

 

Hallo Kaya!“, begrüßte mich Anke Trespe, eine Mitarbeiterin der Bücherei, fröhlich. (Ich kannte so ziemlich alle Mitarbeiter der Bücherei, denn ich lieh mir dort oft Bücher aus.) „Hallo Anke“, erwiderte ich, allerdings nicht so gut gelaunt wie Anke. „Suchst du etwas bestimmtes?“ „Nein ... ääh ... ja ... was über Wölfe, weil es ist nämlich so ... also gestern Abend da war so ein Wolf ... OH MIST!“, meinte ich. Ich hatte mir nämlich gedacht es wäre besser wenn ich niemandem von dem Wolf etwas erzähle. Also erstmal. Bylli war da eine Ausnahme. Er war ja auch ein Hund. „Also etwas über Wölfe, naja mal sehen...“, sagte Anke und ging die Bücherregale entlang. ,Bitte lieber Gott, lass sie nichts finden! Bitte, bitte, bitte!', flehte ich leise zur Zimmerdecke, ,bitte lieber, lieber Gott! Lass Anke keine Bücher finden!' „Also was willst du den für ein Buch? Eher ein Sachbuch oder lieber einen Roman?“, fragte mich Anke. „Ääh... Einen Roman“, sagte ich zu ihr. Anke ging von einer Reihe zur anderen zog hin und wieder ein Buch heraus las den Klapptext und stellte das Buch wieder zurück, schließlich sagte sie: „Nee, Kaya hier ist nichts wirklich über Wölfe. Da muss ich dich leider enttäuschen.“ ,Himmel sei Dank!!!', dachte ich erleichtert. „Aber wofür brauchst du das Buch denn?“, fragte sie. ,Oh Mist!', fluchte ich innerlich. „Ääh ... ich muss noch zu Eisdiele die ... Wäsche abgeben!“, stammelte ich. Erst als ich vor der Bücherei war fiel mir ein was für einen Mist ich da gesagt hatte. , Naja ist ja sowieso egal.' Dann bemerkte ich, dass an der Gartenstraße ein neuer Laden aufgemacht hatte. ANTIQUITÄTENLADEN Herr Max und Frau Moritz stand auf einem großen Holzschild über der Tür. Ich ging hinein. Als die Tür zu fiel hörte man ein Windspiel. „Guten Tag junge Dame“, begrüßte mich eine Frau, die anscheinend Frau Moritz war. „Hallo!“, sagte ich etwas verwirrt, denn dieser Laden war mit allem voll gestopft. Alte Stühle und Standuhren, verstaubte Weingläser und ein Regal mit alten, zerfallenen ... BÜCHERN!? Ich kämpfte mich zum Bücherregal durch und sah mir die Bücher an. „Das Nibelungenlied“, oder „König Artus und die Gralsritter“ und sogar einen zerfallenen, verstaubten Wälzer namens „SCHATTENWÖLFE-eine Legende?!“ gab es dort „Interessierst du dich für alte Bücher?“, fragte mich Frau Moritz. „Jaaah, sehr...“, hauchte ich und strich mit meinen Fingern über die goldenen Lettern der Überschrift. Ich zog das Buch aus dem Regal und brachte es zur Theke. „Das soll's sein?“, fragte mich Frau Moritz verwundert. Als ich darauf verdutzt guckte schlug sie das Buch auf und zeigte mir die Buchstaben. Es waren alles Schriftzeichen. „Das ganze Buch ist so geschrieben.“ ,Und wenn schon!', dachte ich. Ich spürte, dass meine Gedanken in das Buch hineingezogen wurden. Sie klebten an dem Buch. „Das wären dann 9,50€“, sagte Frau Moritz. Ich kramte das Geld aus meiner Hosentasche und legte es auf die zerkratzte Holztheke.

 

In meinen Armen hielt ich das Buch fest umschlungen. ,Konnte ich in diesem Buch wirklich Hinweise über diesen unheimlichen Wolf bekommen?', fragte ich mich. Ich klingelte. Mama machte mir auf. Ihr Gesicht war etwas rot und auf ihrer Wange floss eine Träne. „Hallo Kaya!“, begrüßte sie mich geknickt. „Warum weinst du Mama?“, fragte ich. Ich wusste genau warum, aber ich wollte nicht unhöflich sein. „Es ist wegen Oma“, schluchzte Mama laut. „Ist sie, ist sie tot?“, fragte ich vorsichtig und leise. ,Ja sie ist tot', beantwortete ich die Frage mir selbst. Meine Mutter nickte kaum merklich. Ich huschte in Haus und lief in mein Zimmer. Jetzt musste ich nicht mehr weinen, da ich schon heute morgen über den Tod meiner Oma geweint hatte. Unten redeten Mama und Papa miteinander. Leise schlich ich in Omas Raum. In ihrem Handgelenk waren zwei große Punkte und mehrere Zahnabdrücke. Risspuren waren nirgendwo zu sehen. Also war der Wolf wirklich wieder ein Schatten geworden! Ich sah mich in dem Raum um. Durch das kleine Fenster fiel Sonnenlicht. Neben dem Bett stand ein kleiner Nachttisch mit drei Schubladen. ,Soll ich hineinschauen?', fragte ich mich, ,Oma macht es bestimmt nichts aus, sie ist ja schließlich tot!' Ich setzte meine Hand an den Knauf der Schublade. Langsam zog ich an der Ersten. Darin waren die Bücher, die Oma abends vor dem Schlafengehen immer gelesen hatte. Ich öffnete die zweite Schublade und sah eine Feder, ein Tintenfass, einen Füller und ein Buch. ,Das musste ihr Tagebuch gewesen sein', dachte ich, ,ich wusste gar nicht, dass sie eins hatte!' Ich kämpfte mit mir selbst, da es ja Omas Geheimnisse waren die in dem Buch standen. Doch meine Neugier gewann mit dem Argument, Oma ist ja tot, es wird sie schon nicht stören! Ich öffnete das Buch und las:

 

 

Firá, Fr, 26.5.2007 21:34 h

Heute ist die kalte Nacht. Die Nacht auf, die ich immer schon gewartet hatte. Ich habe den Werwolf gesehen.

Ich denke es war Lia. Sie schlich den ganzen Abend ums Haus. Kaya hat sie auch gesehen. Ich glaube

sie hat Angst vor Lia. Später bin ich in Kayas Zimmer gegangen und habe ihr gesagt, dass sie keine Angst um

mich haben soll. Lia kommt bestimmt zu Kaya ins Zimmer und bringt sie dazu ihr die Tür zu öffnen.

Ein bisschen Angst habe ich schon. Wird es wehtun? Wann kommt Lia? Was wird dann mit mir passieren?

Wird Kaya sich Sorgen um mich machen? Was wird Kaya ohne mich tun? Ich mache mir solche Sorgen um sie.

Ich weiß, dass Lia kommen wird. Lia wird sie um Hilfe bitten, da ich ihr gesagt habe, dass

man Kaya vertrauen kann. Hoffentlich wird ihr nichts bei ihrer Aufgabe zu stoßen.

Es wird so schwer für sie!!! Ich mache mir wirklich große Sorgen um Kaya. Ryta und Lars werden ohne

mich klarkommen, das ist klar. Sie müssen auch nicht zu den Werwölfen in den Wald.

Ich mache mir Sorgen:

AGNES

 

,Was für eine Reise zu den Werwölfen? Was hat das zu bedeuten?', dachte ich. Ich blätterte das Tagebuch durch. Es waren noch einige Seiten frei. Immer war mit violetter Tinte geschrieben worden. ,Seltsam!', dachte ich. Da! Was war das? Da war doch eindeutig etwas über Werwölfe! Ich blätterte bis zu dieser Seite und las:

 

Firá, Mo, 31.7.2006 17:12 h

Bis Heute habe ich nicht an WERWÖLFE geglaubt. Aber es heißt bis Heute. Ich habe Heute als ich in den

Pilzen war einen Wolf gesehen. Erst dachte ich es wäre nur Einbildung, aber dann kam er auf mich zu.

Es war eine Werwölfin, sie heißt Lia. Lia ist ein echter Werwolf, sie ist aus versehen durch das magische Portal in

unseren Wald gelangt. Dann haben wir geredet. Sie ist wie ein Husky der sprechen kann. Lia hat mir von ihrem

Wald erzählt, ein Wald wie jeder andere, nur magisch. Sie hat mir erklärt, dass ihr Wald dort ist wo auch der

Menschenwald ist, aber man müsste erst durch das magische Portal gehen um in ihrem Wald zu sein.

Genauso ist es andersherum auch. Lia hat mir Werwolf-Schrift beigebracht. Das heißt sie hat mir einen Baumstumpf

gezeigt in den die Zeichen eingeritzt sind. Ich habe die Zeichen abgeschrieben.

Ich möchte Kaya davon erzählen, aber Lia hat mir gesagt es dürfte niemand außer mir wissen:

AGNES

 

,Das ist aber, unheimlich!', dachte ich, ,Oma hat einen Werwolf kennen gelernt und laut dem ersten Eintrag, den ich gelesen habe, soll ich mit dem Werwolf etwas unternehmen.' Ich wusste nicht, dass Oma so viel schon erlebt hatte. Leise klappte ich das Tagebuch zu. Dann öffnete ich die nächste Schublade. In der Schublade lagen zwei Alben. Ich nahm mir das eine Album und klappte es auf. In dem Album waren lauter Briefmarken. Aus Finnland, aus Amerika, aus Russland, aus Neuseeland, und, und, und. Es waren sogar sehr seltene dabei. Ich sah mir die vielen Briefmarken an. Dann öffnete ich das zweite Album. Darin waren Schwarz-Weiß-Fotos aus Omas Leben. Ihre Taufe, die Einschulung, die Erstkommunion, die Firmung, die Hochzeit, ihr erster gemeinsamer Urlaub. Auf der letzten Seite stand:

 

An KAYA! Wenn du dieses nach meinem Tod liest, lass dir gesagt sein:

Briefmarken geben Hinweise. Betrachte die Herkunft genau und du wirst mich verstehen! Ich weiß,

dass du mein Rätsel lösen wirst. Wir werden uns (hoffentlich) bald wiedersehen!

AGNES

 

Ich las mir dieses Rätsel drei mal durch. Dann klappte ich das Briefmarken-Album auf. Ich sah mir die Briefmarken an. Sie hatten eine Reihenfolge!

 

Dänemark

Osttimor

Portugal

Peru

Estland

Luxemburg

Belgien

Oman

Deutschland

Elfenbeinküste

Neuseeland

 

,Die Reihenfolge der Anfangsbuchstaben ergibt DOPPELBODEN!', dachte ich. ,Aber was bitte soll Doppelboden heißen? Wo soll denn bitte hier einer sein?' Ich schaute mich im ganzen Zimmer um. Unter dem Bett, in jeder Ecke, sah ich nach. Dann hatte ich einen Geistesblitz: ,Warum suche ich eigentlich hier wie ein Irrer? Oma hat die Schublade gemeint!' Ich öffnete die dritte Schublade und sah sie mir genau an: Sie hatte tatsächlich einen erhöhten Boden! Am Ende der Schublade war ein Band befestigt. Ich zog an dem Band und der erste Boden klappte weg. Darunter befand sich ein zweiter Boden. In diesem Teil der Schublade lag ein alter, vergilbter Briefbogen. Auf ihm waren Zeichen und Buchstaben zu sehen:

 

A

B

C

D

E

F

G

H

I

J

K

L

M

N

O

P

Q

R

S

T

U

V

W

X

Y

Z

a

b

c

d

e

f

g

h

i

j

k

l

m

n

o

p

q

r

s

t

u

v

w

x

y

z

 

,Vielleicht passen die Zeichen mit dem Buch zusammen!', meinte ich. Ich nahm mein Buch und entschlüsselte:

 

Werwölfe

Werwölfe oder auch Schattenwölfe können nur bei Vollmond angreifen. Denn dann sind sie Wer- oder Schattenwölfe. In den anderen Mondphasen sind sie oftmals nur Schatten oder normale Wölfe. Diese Wölfe sind nicht für Menschen gefährlich, da Werwölfe nur bei Vollmond beißen. Dabei beißen sie nur um neue Tiere für ihr Rudel zu bekommen. Es gibt auch Menschen, die einige der Wölfe kennen und zu Wölfen gebissen werden wollen. Wenn sie beißen, wählen sie das Handgelenk oder den Ellenbogen. Sie fressen ihr Opfer nicht, sie verblassen und werden wieder zu einem Schatten. Das Opfer ist nach dem Biss für ein Augenzwinkern ein Wolf, danach ist es tot. Seit vielen Jahren lebt in Firá im Wald ein kleines Rudel dieser Wölfe.

 

Werwölfe können überall hin wo sie wollen. Sie werden ein Schatten und dann gehen sie durch Wände, Türen und Fenster um zum Opfer zu gelangen. Sie können aber nicht durch die Tür des Opfers. Die Tür muss von einem Menschen (oder menschenähnlichem Wesen) geöffnet werden.

 

Werwölfe sind treue Begleiter. Wenn man einen kennt kann man ihn dazu einladen in seinem Haus zu wohnen. In Vollmondnächten muss man allerdings das Zimmer abschließen. Oder man sagt Monex damit man nicht gebissen wird.

 

Typische Merkmale sind:

  • grüne Augen

  • schwarz-graues Fell

  • silberne Schnauze

  • silberne Pfoten

 

Menschen, die nicht das ursprüngliche Opfer eines Werwolfs waren, verwandeln sich bei jeder Vollmondnacht in einen Werwolf. Dies passierst sehr oft, da Werwölfe ja nicht den Raum des Opfers betreten können. Diese menschlichen Werwölfe haben ein wildes Temperament und sind unberechenbar. Dafür können sie aber Ausdauernd laufen und sehr gut riechen. Sie können gut mit Hunden umgehen und essen sehr gerne Fleisch. Diese Art von Werwolf kann vererbt werden. Die Verwandlung ist für diese Art von Opfer sehr schmerzhaft. Wenn sie den Vollmond sehen, fallen sie in eine Art Ohnmacht und ihr Körper verwandelt sich schmerzhaft in in den eines Wolfs. Sie werden wild und suchen sich ein Opfer. Dies kann auch oft jemand aus dem Familienkreis sein. Deshalb sollte man bei einer Vorahnung vorsichtshalber nachfragen ob der Verdacht sich bestätigt. Oder man benutzt den Monex -Spruch.

 

Die Wälder in denen die Werwölfe leben...

 

,Uoh! Das ist aber mal cool! Ich wusste gar nicht, dass man schon soviel über Werwölfe weiß!', kam mir in den Sinn. Ich setzte mich auf den Boden und las weiter in dem Buch. Es waren auch wundervolle Zeichnungen beigefügt. Ich sah mir die Werwölfe an und war so in das Buch vertieft, dass ich nicht merkte, dass es langsam schon Abend wurde. Erst als der Himmel glühte sah ich von meiner Lektüre auf und ging etwas essen. Ich hatte den ganzen Tag gelesen.

 

Ich lag im Bett. Heute war zum Glück kein Vollmond mehr. Ich sah an die Zimmerdecke und dachte über das Gelesene nach. Plötzlich spürte ich etwas Warmes neben mir. Dieses Warme hechelte. Es hatte langes Fell. Und grüne Augen. Und silberne Pfoten und das schlimmste war, es war ein...

...WERWOLF! „Monex!“, rief ich. „Was soll das denn?“, fragte mich dieser Werwolf. Es war eindeutig der von gestern. Anscheinend ist es -nach Omas Tagebuch- Lia. „Bist du Lia?“, fragte ich den Werwolf. „Punkt Nummer 1!“, meinte Lia. „Okay, und du hast mich noch nicht gebissen? Weil heute kein Vollmond ist“, meinte ich vorsichtig. „Nummer 2 und 3, also insgesamt 3 Punkte!“, sagte die Werwölfin, „Ich bin Lia, ganz richtig. Ich komme direkt aus dem magischen Wald.“„Lia, warum bist du hier?“, fragte ich sie. „Also, du hast sicherlich das Tagebuch deiner Oma gelesen, oder? Ich brauche dich. In unserem Wald läuft etwas falsch! Die „schwarzen Monarchen“ haben die Sonnenblume gestohlen. Die Sonnenblume ist die Friedensstätte unseres Waldes! Die Monarchen haben sie entwurzelt und in ihre Burg mit genommen. Wenn die Blume nicht da ist, dann ist jeder gegen jeden verfeindet! Da sich keiner mehr mag ist es dann ganz einfach für die Monarchen die Macht zu ergreifen. Agnes hat mir gesagt, dass man dir vertrauen kann, also dass du niemandem etwas von meinem Wald erzählst, deswegen möchte ich, dass du mit mir mit kommst!“ „Ich weiß nicht genau“, zweifelte ich. „Du sollst es dir bis morgen überlegen, bitte!“, meinte sie. Und sie fügte hinzu: „Morgen komme ich wieder. Ich brauche dich!“ Dann war sie ein Schatten.

 

Als ich aufwachte dachte ich noch mal an das was heute Nacht passiert war. Heute Nacht war Lya, eine Werwölfin gekommen, sie hatte mir von ihrem Wald erzählt und dann wollte sie, dass ich mit ihr komme. Ich überlegte: ,Was würde denn schon passieren? Beißen würde mich niemand, ich konnte ja schließlich jetzt einen Spruch gegen den Werwolf-Biss. Eigentlich wollte ich schon immer irgendwohin wo es magische Wesen gibt. Aber was werden Mama und Papa ohne mich machen?' Ich beschloss einen Brief zu schreiben.

 

Hallo Mama, hallo Papa!

Ihr wisst sicherlich schon warum Oma tot ist, oder? Wenn ihr das nicht wisst,

ich sag es euch: Ein Werwolf hatte sie gebissen. Dieser Werwolf heißt Lia

und ist im Grunde ganz nett. Lia hat mir gesagt ich solle mit zu ihr in den Wald kommen

da dort etwas schlimmes im Gange sei: Die Sonnenblume, von der der ganze Frieden

im Wald aus ging, wurde gestohlen! Ich soll Lia mit helfen die Blume zurück zu holen,

denn sonst werden dunkle Gestalten die Macht im Wald ergreifen. Ich habe beschlossen, dass

ich mit Lia kommen werde. Macht euch keine Sorgen, dass ich gebissen werde, ich kenne einen Gegen-Spruch. Bitte macht euch keine Sorgen:

KAYA

 

PS: Ich werde euch nicht vergessen!

 

Dann nahm ich mir meinen Lederrucksack und packte dies ein: Ein Seil, mein Taschenmesser, ein Foto von Mama und Papa, einen Füller und Papier, einen Spiegel um Lichtsignale zu schicken, einen Schal, Handschuhe und eine warme Jacke (man kann ja nie wissen wie lange man dort bleibt), eine Taschenlampe mit Dynamo, eine Kerze, eine Lupe um Feuer zu machen, eine Regenjacke, Streichhölzer, meine Flöte und etwas Brot und eine Flasche Wasser. Dann las ich weiter in dem Buch. Das wollte ich nicht mit nehmen, da dadurch mein Rucksack noch schwerer werden würde. Ich legte den Rucksack neben mein Bett und ging schlafen.

 

Kaya. Kaya! KAYA!“, rief Lia. „Was ist denn los?“, fragte ich und rieb mir den Schlaf aus den Augen. „Was los ist? Wir müssen los!“, meinte sie. „Okay, ich muss mir schnell noch meine Sachen anziehen!“, sagte ich zu Lia. Schnell zog ich mir meine anderen Sachen an und schnappte mir meine Tasche. „Wir können los, Lia!“, meinte ich. „Gut. Folge mir. Nicht denken, ja? Nur folgen!“, erklärte mir Lia. Ich wusste zwar nicht was sie meinte aber ich nickte. „Gut“, sagte der Werwolf und sie ging einfach durch die Wand meines Zimmers. „Da soll ich durch?“, fragte ich. „Nicht denken, nur folgen!“, rief Lya. Ich ging zögernd durch die Wand. Es tat nicht einmal weh. Ich schwebte sanft nach unten auf den Boden und landete neben Lia. „Komm folge mir!“, rief mir sie zu. Sie lief den Feldweg entlang in den Wald. Dort schnüffeltet sie an einem Baumstumpf und stellte sich auf ihn. Plötzlich war sie verschwunden. „Lia, Lia, wo bist du!?“, rief ich. Aus weiter Ferne antwortete mir eine Stimme: „Hier! Mach das gleiche wie ich, und denk dran: nicht denken, nur folgen!“ Also stellte ich mich auch auf den Baumstumpf und plötzlich war um mich herum alles schwarz. Dann stand ich wieder auf dem Baumstumpf, doch neben mir saß Lia. Und der Baumstumpf war auf einer Blumenwiese. „Bin ich hier in deinem Wald?“, fragte ich meine Begleiterin. Sie antwortete: „Ja! Das ist die Wiese der Eigenschaften. Jede Blume steht für eine Eigenschaft. Gefällt er dir? Schau mal! Dort stand die Sonnenblume!“ Sie zeigte auf ein Loch im Boden. „Ist es eigentlich gefährlich hier sich in deinem Wald aufzuhalten wenn die Sonnenblume fehlt?“, wollte ich von Lia wissen.

 

Kapitel 2

Allerhand Magie

 

Ich stand vor Lias Haus. Sie hatte eine kleine Holzhütte mit einer niedrigen Tür. Lia öffnete die Tür und ich trat ein. Sie lief in ein Zimmer in dem eine Feuerstelle auf dem Boden -natürlich war es Waldboden- mit etwas Holz war. „Sieh, hier wohne ich. Ich hoffe das Fenster stört dich nicht. Sie deutete mit ihrer Pfote auf eine viereckige Öffnung in der Wand. Ein Fenster ohne Fensterscheibe. „Nein eigentlich, nicht. Das heißt, wenn die Nächte hier nicht kalt sind.“ „Oh nein, im Winter schon, aber dann verschließen die Vögel das Fenster mit Laub, Ästen und Stroh“, erklärte mir Lia. Als ich fragte wie sie das Feuer anmachen würde sagte Lia, dass in einer Höhle im Wald ein Drache leben würde um den Bewohnern des Waldes Feuer zu geben. Vor ihm ist Feuer und er schürt es mit seinem Atem. Jeder der Feuer braucht kommt mit einer Fackel, zündet sie an und bringt die brennende Fackel zurück zu seiner Feuerstelle. Um die Feuerstelle waren Moos- und Laub-Polster gelegt. In einer Ecke der Raumes lagen Nüsse, Kartoffeln, Wurzeln, Gräser und Vogeleier.

 

Am nächsten morgen wurde ich von den Vögeln des Waldes geweckt. „Morgen Lia“, murmelte ich schläfrig. „Auch schon wach?! Hier Frühstück!“ Die Wölfin schob mir munter mit ihrer Pfote eine Schale mit vielen Gräsern und Kräutern hin. „Das ist ein Lia-Spezial-Morgens-Munter-Mach-Salat!“, antwortete sie, als sie sah wie ich die Schüssel misstrauisch begutachtete. „Und Besteck?“, fragte ich. Lia fragte: „Wofür hast du denn Hände?!“ Ich musste lachen. Es war wirklich ein leckerer Salat. „Du, Kaya, wir gehen gleich zu Felicitas.“ „Wer ist denn das?“, wollte ich wissen. „Das ist ein Werwolf und sie ist die Weise in diesem Wald. Wir müssen uns dafür melden, dass wir die Sonnenblume wiederholen wollen. Ist das okay?“,erkundigte sich Lia. Ich nickte. „Na dann komm!“ Sie sprang auf und trottete durch den Wald. Ich lief ihr eilig nach. Das Licht der Morgensonne warf feine Strahlen durch die Baumkronen und Nebel stieg vom, von der Nacht noch kaltem, Boden auf. Unter einem großem Felsvorsprung lag ein grauer alter Wolf. Lia setzte sich zu ihm und redete leise mit der Weisen. Nach einiger Zeit musterte Felicitas mich. Dann rief sie: „Du, komm mal her!“ Ich ging auf Lia und die Weise zu. „Du bist also Kaya...“ Ich nickte. „Lia sagt du würdest gerne mit ihr auf die Suche nach der Sonnenblume gehen –stimmt das?“ Ich nickte abermals. „Kaya, hast du dir das gut überlegt? Auf dem langen Weg lauern viele Gefahren! Du setzt dein Leben aufs Spiel.“ Ich zweifelte, ja ich setzte mein junges Leben auf das Spiel. Doch dann sagte ich entschlossen: „Ich tue es für Lia, die Tiere hier, für Sie und -für meine Oma.“ Was hatte ich da gesagt? Über Oma und die Anderen hier -ach, es ich hatte nun eine Entscheidung getroffen. „Du, du tust es für deine Oma? Ist sie etwas auch ein Werwolf?“ „Ja, Lia hat sie auf ihren Wunsch gebissen, letzte Vollmondnacht.“ Die Wölfin schaute in den Wald. „Kaya, du hast mir gezeigt, dass du dich für die Anderen einsetzen willst. Du kannst mit Lia gehen!“, erklärte sie mir. Dann sagte die Weise tonlos: „Pippit!“ Ich wandte mich an Lia: „Ist ,Pippit' ,Viel Glück' in werwölfisch?“

 

kein Glückwunsch, nein, Pippit ist ein Frosch! Ein magischer Frosch. Er war mein Lehrer. Lia war, nachdem Felicitas „Pippit“ gesagt hatte, zielstrebig in den Wald gelaufen und ich musste ihr folgen. Nach ca. 1 Stunde waren wir dann vor einem Teich stehen geblieben. „Was ist das?“, fragte ich Lia, als ich das trübe Wasser sah. „Das ist ein Haus.“ „Ein Haus?“, fragte ich skeptisch. „Ja, nur halt das von...“ „MIR!“ Eine grüne Gestalt saß neben meiner Gefährtin auf dem Boden. „Guten Tag! Ich bin Pippit, dein zukünftiger Lehrer. Ich bin kein normaler Frosch, denn ich bin magisch. Damit du mit Lia diese Welt retten kannst musst du dich auch wehren können. Schutzzauber, magische Schilde, Gegen- und Abwehrflüche. Du willst doch gegen die Monarchen kämpfen, oder?“, meinte Pippit. Ich sah anscheinend sehr verwirrt aus, denn Lia musste lachen. „Da, das habe ich für dich geholt. Im Teich wächst es wie Unkraut.“ Er gab mir ein paar blau-grüne Blätter. „Muss ich das essen?“, wollte ich von Pippit wissen. Er nickte. „Geh vorher lieber ins Wasser, denn sonst wird es unangenehm.“ Da war es schon zu spät: Ich hatte das blaue Zeug geschluckt! Meine Kehle brannte wie Feuer und ich zuckte am ganzen Körper wie verrückt. Ich röchelte und mir wurde unglaublich schwindelig. Lia schubste mich ins Wasser, mein Glück! Sofort schwebte ich im Wasser, meine Glieder beruhigten sich, und ich konnte entspannt atmen.(?!) Mein neuer Lehrer gab mir Zeichen ihm zu folgen. Das Licht schien durch das Wasser, die Pflanzen wiegten sich in der Strömung und um mich herum tanzten lebensfrohe Fische. Der Teich, der über der Wasseroberfläche so eine kleine Fläche einnahm erstreckte sich unter der Oberfläche als eine riesige Unterwasserwelt. Als wir durch eine hohe Teichgrasfläche schwammen verlor ich Pippit fast, dank seinem Quaken konnte ich ihn aber orten.

 

Die Höhle des Frosches war tief im Fels. Sie wurde von seltsamen Lichtern beleuchtet. „Was ist das?“, erkundigte ich mich verwundert bei Pippit. „Das sind Steine die das Licht der Sonne für über 1000 Jahre gespeichert haben. Sie sind sehr rar, da viele Wassertiere sie brauchen. Hier bediene dich bitte!“ Der grasgrüne Frosch wies auf eine Schale mit vielen bunten Kugeln. Ich nahm mir eine und biss hinein. Sie schmeckte sehr süß, wie eine Mischung aus Pfirsich und Aprikose. „Wo ist Lia?“, fragte ich die kleine Amphibie. „Sie wartet auf dich. Lia braucht meine Magie nicht, sie ist eine Wölfin und kann sich gut verteidigen“, erklärte er mir. Er Schwamm zu einem kleinem Felssims im Gestein und rief mich zu ihm: „Dies hier ist der „Zauberfrosch“, eine Flöte aus Ton, sie ist sehr unscheinbar, aber wenn du auf ihr spielst kann ich die Melodie dank einem Zauber, welcher auf dieser Flöte liegt, hören. Ich werde sofort zu Stelle sein.“ Ich sah mir das Wunderding an: Es war ein kleiner Frosch aus Ton an dessen Maul das Kopfstück einer Flöte herausgearbeitet war. Im Bauch des Tiers befanden sich zwei Löcher. Ich nahm den Tonfrosch an mich. „Kaya, wenn du mich brauchst blase in das Mundstück und lege deine beiden Daumen abwechselnd auf die Löcher im Bauch des Frosches. Die Melodie hört sich so ähnlich an wie der Kuckucksruf.“ Ich steckte das faustgroße Ding in meine Jeans. Dann führte Pippit mich zu einem in den Fels gehauenem Regal.

 

Nachdem Pippit mir einige komplizierte und weniger komplizierte Schutzzauber und Gegenflüche gezeigt hatte, war ich in die Magie des Waldes eingeweiht. Ralaji [sprich Ralaisch], Kosia, Tiumal und viele Zauber mehr konnte ich nun. Ich konnte sie vor mich hin sprechen, weiter sagen, vergessen und benutzen. Ralaji war zu Beispiel für einen extremen Lichtkontrast zuständig, der den Feind verwirren sollte. Kosia sollte eine magische Mauer um das Opfer ziehen die nur mit höchster Mühe zu überwinden war und nach dieser Anstrengung konnte man garantiert nicht mehr angreifen. Sprach man Tiumal aus, zog man so einen Bannkreis um seinem Schlafplatz und war so vor feindlichen Visionen geschützt.

Sag mal, Kaya, was hast du eigentlich alles in deinem Rucksack?“ Ich zählte auf: „Ein Taschenmesser, ein Seil, meine Flöte, eine Flasche Wasser und etwas Brot, ein Foto von meinem Eltern, ein Paar Handschuhe, einen Schal, eine Regenjacke, eine Winterjacke, Füller und Papier, eine Lupe, einen Spiegel, eine Kerze, Streichhölzer und eine Taschenlampe mit Dynamo. Das war glaub ich alles.“ „Mmmh, eigentlich alles was man braucht. Ist der Rucksack nicht zu schwer?“ Ich schüttelte meinem Kopf. Warum denn auch? Es waren ja fast alles kleine, leichte Dinge.

 

Am nächsten Morgen weckte mich eine Amsel die neben mir auf dem Boden saß und direkt in mein Ohr zwitscherte. „Lia, wir gehen heute los!“ Lia war hellwach und sie hielt mir meinem Rucksack hin. „Danke! Was gibt es zu Frühstück?“ „Das was wir auf dem Weg finden und selbst gemachtes Brot!“ Lia schob mir einen großen Laib Brot hin. „Von Felicitas. Sie kann die Zutaten dazu besorgen. Sie verwandelt sich dann -wenn auch nur selten- in einen Menschen“, sagte meine Freundin. Ich packte das Brot in meine Tasche. Dann zog ich meine Schuhe aus, band die Schnürsenkel zusammen und legte sie mir über meine linke Schulter. Barfuß lief ich mit Lia in ein großes Abenteuer hinein.

 

Kapitel 3

Am Anfang in Gefahr

 

Es war einfach herrlich mit Lia zu reisen. Sie war lustig und lebensfroh, machte dich auf viele schöne Dinge aufmerksam, die man sonst übersah. So auch jetzt: „Schau mal da! Ein Kaninchen!“ Ich drehte meinen Kopf herum. Das Kaninchen hoppelte niedergeschlagen durch den Wald. Seine Ohren waren in die Richtung geknickt, in die es mit seinem traurigem Gesicht schaute: nach unten. „Oh, Hallo! Warum schaust du denn so traurig?“, erkundigte sich Lia. Leise und weinerlich antwortete das kleine Wesen: „Man hat mich aus dem Bau gejagt! Nur weil ich gerne auf Bäume klettere und den Winter liebe. Auf dem Eis schlittern ist doch so schön!“ „Komm! Reise mit uns!“ „Lia, kann ich kurz mit dir reden?“ Ich zog meine Gefährtin zur Seite: „Du Lia, Pippit hat mir eingeschärft mit niemandem, NIEMANDEM, anders als mit dir zu reisen! Ich denke es wäre besser wenn wir auch seinen Rat befolgen würden.“ „Aber du kannst ein Kaninchen doch nicht allein im Wald lassen! Hier im magischem Wald gibt es genauso wilde Tiere wie bei euch auch: zum Beispiel Luchse und Füchse, Wildkatzen, Wiesel und Marder!“ „Lia, bitte hör auf mich...“ „Wenn Pippit dir nicht gesagt hätte, dass wir nur allein reisen sollen, würdest du dann das Kaninchen mitnehmen?“ Ich zweifelte. Doch dann sagte ich: „Ja, würde ich.“ „Siehst du, du würdest. Warum denn nicht auch jetzt? Ein Kaninchen und die Monarchen! Ich glaube, die wissen noch nicht mal wer Dorbas und Samantha sind!“ „Ich ehrlich gesagt, weiß es auch nicht...“, meinte ich. „Dorbas ist der Anführer der Monarchen und Samantha seine ...naja Gehilfin, in die er verliebt ist. Dorbas ist ein Vampir und Samantha eine magische Kobra“, erklärte mir Lia. Lia trottete zu dem ängstlichen Tier und sprach mit ihm. Das Kaninchen strahlte. Mit schlechtem Gewissen ging ich zu Lia zurück. „Kaya, was ist denn? Wir konnten Fiona doch nicht einfach allein im Wald lassen!“ „Ich glaube nicht das es so richtig war sie mitzunehmen...“erklärte ich mürrisch. „Kaya, sei doch nicht so!“ Doch ich wandte mich nur ab und sah in den tiefen Wald.

Noch einige male versuchte Lia mit mir ein Gespräch anzufangen doch ich wollte nicht mit ihr reden. Ich starrte nur auf den Weg und lief einfach. Ich wollte nicht dass Lia mit mir sprach. Sie hatte sich nicht an das gehalten was Pippit uns gesagt hatte. Und das war, wie sich später herausstellte, ein großer Fehler. „Wohin seid ihr eigentlich unterwegs?“, erkundigte sich Fiona. „Wir wollen in das Versteck der Monarchen eindringen und die Sonnenblume zurück holen“, antwortete Lia. Ich hätte Lia verfluchen können! Sie hatte sich nun schon zweimal den Regeln von Pippit widersetzt! Und das schlimmste war, sie hatte das oberste Gebot gebrochen: Wir durften niemandem von unserem Vorhaben erzählen.

 

Lia stupste mich an. Ich drehte mich nur auf die andere Seite und versuchte wieder einzuschlafen. „Kaya!“, flüsterte Lia, „Kaya! Bist du mir immer noch böse?“ „Ja!“, meinte ich trotzig zu Lia. „Bitte Kaya, hör mir doch mal zu!“, flüsterte Lia erneut. „Nein!“ „Bitte Kaya!“ „Nein!“, sagte ich zum zweiten mal. Ich zog mir die Decke noch weiter über den Körper und wollte weiter schlafen. „Warum hörst du mir nicht zu?! Sonst hast du mich respektiert, aber jetzt bin ich für dich ein Nichts?“ Ich hörte wie die niedergeschlagene Wölfin aufstand und durch den Wald streifte. Vielleicht war ich doch ein bisschen zu hart zu ihr gewesen. Aber dann sagte ich mir, einer der die wichtigste Regel missachtet verdient keinen Respekt.

 

Guten Morgen!“ Fiona hüpfte auf mir herum. „Hör mal damit auf!“ Ich setzte mich auf. „Schau mal! Fiona hat dir einen Salat gemacht.“ Lia deutete auf ein großes Blatt auf dem viele verschiedene Kräuter lagen. Ich beäugte den Salat misstrauisch. „Kaya, du kannst Fiona vertrauen!“ „Das bezweifele ich!“ „Fiona hat den Salat extra für dich gemacht! Damit du aufhörst zu schmollen.“ Ich probierte die Kräuter. Mir wurde wieder so zumute, als hätte ich diese blaue Pflanzen von Pippit gegessen ohne vorher ins Wasser zu gehen. Mein Kopf tat mir weh und es fühlte sich an als ob ich immer wieder zusammengedrückt und auseinander gezogen würde. Und schließlich wurde alles um mich herum SCHWARZ. Schwarz wie Lias Fell. Schwarz wie eine Nacht ohne Sterne. Schwarz, Schwarz, Schwarz...

 

Von weit her hörte ich eine Stimme. Lias Stimme. „Kaya? Kaya! Ka-ya!“ Ich versuchte meine Augen zu öffnen doch es war schwer, es war fast so als wären meine Lider zusammengeklebt. Ich versuchte etwas zu sagen, doch es kostete mich zu viel Kraft. „Kaya?“ Das war Fiona. Wieder versuchte ich zu sprechen, diesmal war es ein ganz schwaches Flüstern: „Lia, bin ich...“ Ich machte eine Pause. „Was bist du?“, fragte Lia. „Bin ich tot?“ Das letzte Wort war kaum zu hören, so leise hatte ich gesprochen. „Nein, das bist du nicht. In dem Salat von Fiona war...“ Lia schluckte. „In dem Salat war Spingerlauch. Das ist ein sehr giftiges Kraut. Ich habe dich gerettet. Von Spingerlauch kann man sterben. Ich habe dir noch rechtzeitig Sanos-Samen gegeben. Weißt du, du hättest an dem Spingerlauch wirklich sterben können.“ „Es war kein Spingerlauch!“, meinte Fiona empört, „Es war Rissellkraut!“ „Es war Spingerlauch.“ „Nein, Rissellkraut.“ „Fiona, du hast einen Fehler gemacht, das weiß ich, doch du musst es einfach zugeben. Ich glaube nicht das es Absicht war!“, sagte Lia zu Fiona. Ich flüsterte schwach: „Und wenn doch?“ Doch Lia überhörte mich.

 

Wir reisten weiter. Doch ich war von dem Gift in meinem Körper so geschwächt, dass wir nur wenige Kilometer am Tag schafften. Ich war wütend. Wütend auf Lia, dass sie Fiona mitnahm, und wütend auf Fiona, weil sie unser Vertrauen missbrauchte. In meinen Augen war das mit dem Spingerlauch keine Verwechslung. In meinen Augen war es geplant. Und deswegen wollte ich nichts mit den Beiden zu tun haben. Ich versuchte schneller als die Zwei zu laufen, vor ihnen weit weg. Doch das Gift war sehr stark. Ich stolperte über eine Wurzel, auf die ich nicht geachtet hatte. Meine Hand stieß ich mir an einem Stein und sie tat mehr als nur weh. „Kaya? Ist etwas passiert?“ „Ja!“, wimmerte ich und rieb mir die Hand. Zu allem Unglück kamen noch einige rote Waldameisen und diese verteidigten sich wie sie nur konnten. Meine Hand brannte. „Ameisen sollten verboten werden!“, zischte ich. Vielleicht hatten die Tierchen meinen Fluch gehört, vielleicht war es auch nur Zufall, aber auf jeden Fall urinierten noch mehr auf meiner Hand. Ich versuchte sie weg zu scheuchen aber es ging nicht. Inzwischen waren Lia und Fiona bei mir und sahen was passiert war. Lia wischte die Ameisen von meiner Hand und versuchte mir auf zu helfen. Fiona saß tatenlos auf dem Findling an dem ich mir weh getan hatte. Ich funkelte sie an. „Kaya, Fiona kann nicht dafür dass du dich verletzt hast!“ Ich war mir da nicht so sicher. „Ich kann dir eine Salbe machen, dann ist deine Hand wie neu!“ „Ja, wie neu! Dann hab ich wegen deiner blöden Salbe keine Finger mehr!“ „Kaya, sei doch nicht so zu Fiona! Sie meint es nur gut“, versuchte Lia mich zu beruhigen. Doch ich wollte nicht auf Lia hören. „Nein. Ich will es nicht!“ „Was kann denn schon passieren?“, fragte Lia. „Hinterher habe ich kein Hand mehr oder keinen Arm, oder sonst was fehlt mir!“ „Ich weiß wie man diese Salbe macht! Sie hat mir schon oft geholfen“, erklärte Fiona. ,Als du jemanden umbringen wolltest oder, wann sonst braucht man so etwas!', dachte ich. „Kaya, gib ihr eine Chance.“ Ich atmete ein und aus. „Okay, aber wenn sie nicht hilft, dann muss Fiona gehen!“, willigte ich mürrisch ein.

 

Das Häschen rührte für einen Hasen erstaunlich gut um. Mit einem kleinen Ast stocherte Fiona in einem dickflüssigen Matsch herum, der in einer Vertiefung im Stein war. Sie rieb meine Hand mit der Salbe ein. Einige Minuten passierte nichts. Absolut gar nichts. Doch dann schrie ich auf. „Fiona, was soll das?! Du verbrennst meine Hand!“ Ich stand auf und rannte suchend im Wald umher. Meine Hand war rot und sie war sehr heiß. Es fühlte sich an als hätte ich ein einen Topf mit heißem Wasser gefasst. Ich irrte weiter im Wald umher bis ich das fand, das ich suchte: einen kleinen Bach. Ich tauchte meine Hand ins kühle Wasser und sofort ging es mir besser. „Fiona, was soll das? Lia, schau dir meine Hand an!“ Lia kam und sah auf die nun nicht mehr so stark glühende Hand. „Was ist das?“, erkundigte sie sich. „Das? Das ist die ,Genesung' meiner Verletzung“, antwortete ich. Die Wölfin stupste mit ihrer Pfote die Hand an. „Oh, dann habe ich wohl was verwechselt...“, gab Fiona zu. „Und was?“, fragte ich. „Ich dachte du hättest eine fast gefrorene Hand.“ „Nein habe ich nicht, du Biest! Im Sommer friert keine Hand ein!“, brachte ich mit zusammengebissenen Zähnen hervor. Ich warf Lia einen verachtenden Blick zu.

 

Lia kuschelte sich dicht an mich, obwohl ich das nicht mochte. Ich mochte sie auf einmal gar nicht mehr. Sie war überhaupt nicht mehr nett. Plötzlich kam mir ein Satz in den Sinn: „Wenn du mich brauchst, ich bin für dich da!“ Wer hatte das gesagt? Auf jeden Fall kein Mensch. Nein. Es war ... Pippit! Natürlich. Ich kramte aus meinem Rucksack einen Tonfrosch mit einem Mundstück hervor. Dann spielte ich die Melodie, die Pippit mir beigebrachte hatte. Vor mir im Gebüsch regte sich etwas. Ich hörte das Quaken eines Grasfrosches. Es war Pippit. „Pippit! Pippit! Ich brauche deinen Rat.“ Ich lief auf das Gebüsch zu. „Tag Kaya. Was ist denn los?“ „Am besten gehen wir dort hinüber.“ Der kleine Frosch sprang auf meine Hand und ich trug ihn in dichtes Buschwerk. „Was soll das?“ „Erkläre ich dir jetzt. Also, als wir losgegangen sind, da haben wir einen Hasen getroffen und Lia hat mich dazu überredet ihn mit zu nehmen. Die Häsin heißt Fiona. Ich finde sie nicht nett. Das liegt daran dass sie mich vergiften wollte...“ „Vergiften? Wie?“, fragte das kleine Wesen entsetzt. „Ja. Sie hat mir einen Salat gegeben, unter dem Vorwand, dass ich dadurch fröhlicher gestimmt würde. Mir wurde sehr komisch zumute, es hat sich so angefühlt, als hätte ich deine blaue Pflanze zum Atmen Unterwasser gegessen, nur ich wurde ohnmächtig. Später hat Lia mir erklärt, dass in dem Salat Spingerlauch war. Fiona meinte es wäre Rissellkraut oder so... Auf jeden Fall hatte ich noch einen Unfall. Ich habe mir die Hand an einem Findling gestoßen und einige rote Ameisen haben etwas auf ihr hinterlassen. Fiona wollte mir eine Salbe machen. Wieder war ich skeptisch, doch Lia überredetet mich auch diesmal einzuwilligen. Diesmal hätte ich fast eine Hand voll Brandblasen gehabt.“ „Kaya, versprich mir eins, ja?“ Pippit sah mir in die Augen. „Bleib von Fiona immer fern, egal was Lia sagt! Und noch etwas. Du darfst dich nicht mit Lia streiten, verstanden? Niemals!“ „Warum?“, wollte ich wissen. „Weil, du sonst genau das tust, was die Monarchen erreichen wollen: Streit und Zwietracht“, erklärte mir der Frosch, „der einzige Weg gegen sie zu kämpfen ist, Freundschaft und Zusammenhalt. Ihr braucht einander sehr. Lia braucht deine Unterstützung und Freundschaft und du brauchst Lias Schutz. Erklär Lia was ich dir gesagt habe. Und redet nicht mit Fiona über euren Auftrag!“ „Also, das muss ich dir auch noch sagen... Lia hat Fiona bereits gesagt, dass wir diesen Auftrag haben...“ Pippit kämpfte einen Augenblick mit sich selbst. Dann meinte er: „Ihr müsst vorsichtig sein. Ich finde Lias Verhalten falsch, aber besser später die Sonnenblume zurück, als gar nicht... Du musst jedoch alle Zauber üben, denn auf euch werden viele Hindernisse zukommen können!“

 

Lia, kann ich mit dir mal allein reden?“ Meine Gefährtin sah mich verwundert an, kam jedoch mit mir tiefer in den Wald. Langsam ging die Sonne auf. Nebel stieg auf und die Sonnenstrahlen brachen sich im Dunst. „Ich konnte gestern nicht schlafen und dann habe ich nach Pippit geflötet...“ Ich erzählte Lia die ganze Geschichte von vorn. Alles was der kleine Frosch mir gesagt hatte gab ich Wort für Wort genauso wieder, als hätte ich es auswendig gelernt.

Du hast ja recht, aber einen Tag darf sie noch mit uns reisen oder? Sie ist so nett!“, meinte Lia. ,Jetzt bloß nichts doofes sagen, Kaya', dachte ich mir. „Okay, aber ich rede nicht mit ihr gut. Und versuch auch nicht mich dazu zu bringen, ja?“ Die Wölfin nickte.

 

Warum hast du heute nicht mit mir geredet?“, fragte Fiona niedergeschlagen. Ich warf Lia einen bedeutungsvollen Blick zu. „Das ist doch wohl verständlich wenn man bedenkt was du ihr angetan hast!“, meinte Lia. Ich zwinkerte ihr zu. Fiona stutzte: „Aber ich... ich ... das waren Versehen!“ „Kaya denkt nicht so wie du“, erwiderte Lia. Diesmal lächelte ich. Ich nahm mir einen wilden Spargel aus dem Topf, den ich herauf beschworen hatte.

Lia und ich aßen noch etwas Spargel und legten uns dann zusammen unter einen alten Baum. „Die Sterne, erinnern mich an mein altes Rudel...“ „Dein altes Rudel?“ Ich sah Lia verwundert an. „Ja, ich war gar kein Mensch bevor ich Werwolf wurde. Ich war ein normaler Wolf. Dann wurde ich nachts beim Spiel mit einem anderen Wolf von diesem gebissen. Sofort verschwand ich in den magischen Wald. Wenn ich die Sterne sehe erinnere ich mich an diese Nacht. Ich habe geträumt wie meine Freunde und meine Familie weinten. Dieser Traum war wahr“, erzählte meine Freundin. „Du tust mir Leid.“ Ich kraulte Lia hinter den Ohren und am Bauch. „Du musst ich nicht bemitleiden, ich hab mich damit abgefunden“, sagte sie. ,Vielleicht ist Lia doch nicht so doof...', dachte ich. Dann schlief ich ein.

 

Es war schon sehr spät im magischen Wald, da wachten plötzlich zwei Gestalten auf. Zu erst regte sich ein kleines Geschöpf mit langen Ohren. Es war ein Hase. Dann erwachte eine zweites Tier. Das Wesen war ein Werwolf. Plötzlich verwandelte sich Fiona, die Häsin, in eine Schlange. Es war eine giftige Kobra. Samantha tat dies in dem Augenblick, in dem Lia auf wachte. Die Kobra schlängelte sich zu dem Rucksack eines Mädchens und zog einen Spiegel hervor, dieses Mädchen war Kaya. Dann lispelte Samantha: „Gib das Tor frei!“ Lia beobachtete diesen Vorgang gespannt. Aus dem Spiegel kam ein grelles, weißes Licht, welches Samantha gänzlich verschlang. Die Werwölfin hörte nur die Stimmen zweier Personen. Eine, die lispelnde, war die Samanthas, die zweite, eine eine raue, dunkle und höhnische Stimme, erkannte Lia nicht. Doch sie belauschte das Gespräch der Beiden. „Sie wollen die Sonnenblume holen!“, lispelte Samantha. „Wer?“, fragte die tiefe Stimme. „Diese Werwölfin, Lia und ein Mädchen, sie heißt Kaya.“ „Warum hast du sie nicht beseitigt?“, erkundigte sich der Unbekannte. „Ich wollte ja, doch das erste Mal als ich Kaya den Spingerlauch-Salat gab, hat die Wölfin sie gerettet. Kaya hat Verdacht geschöpft. Sie wusste, dass jemand es auf sie abgesehen hatte.“ „Und das zweite Mal?“, hakte der Gesprächspartner von Samantha nach. „Das zweite Mal, hat sie sich selbst gerettet. Sie hat ihre Hand mit der verbrennenden Salbe selbst in einem Bachlauf gekühlt.“ „Du hast versagt!“ Lia hatte nun erkannt wer der Zweite war. Es war Dorbas.

 

Kaya, ich muss dir was sagen schnell! Wach auf!“ Lia stupste und zupfte an mir herum bis ich aufwachte. „Was ist denn los? Brennt der Wald?“ „Nein, aber er könnte jeden Moment anfangen zu brennen!“ Ich sah mich im Wald um. Es war noch dunkel. „Kaya, ich hab etwas sehr wichtiges herausgefunden!“ „Was, denn?“, fragte ich gelangweilt. „Hol erst Pippit, es ist wichtig! Was wichtigeres gibt es nicht!“ Also rief ich Pippit. „Was ist denn los?“, erkundigte sich auch der. Lia führte uns weit weg von unserem Lager und trug den Rucksack von mir mit sich. „Was soll das?“, fragte ich. „So. Ich bin eben aufgewacht und habe zufällig ein Gespräch belauscht. Ein Gespräch zwischen Samantha und Dorbas.“ „Wie kommen die denn hierher?“, sagte ich entsetzt. „Ganz einfach: Fiona ist Samantha. Und durch einen Spiegel, den sie in deinem Rucksack versteckt hat, ist sie zu Dorbas gelangt, oder sie haben sich im Spiegel getroffen, wie auch immer, Dorbas weiß von unserem Vorhaben!“ Pippit und ich schwiegen. Dann sah ich in meinem Rucksack nach einem Spiegel. Ich fand zwei. Den von mir und den von Samantha. Samanthas Spiegel war mit schwarzen Kronen und Blitzen umrandet. Lia begann wieder zu sprechen: „Das schlimmste ist: Die Anschläge auf dich waren wirklich geplant, Kaya!“ Pippit war entgeistert. Dann setze er sich auf den Spiegel, sprach eine Formel und der Spiegel zersprang in tausend Scherben, die sofort Feuer fingen und verbrannten. „Ihr müsst zusammenhalten“, meinte Pippit. Dann verschwand er.

 

Guten Morgen ihr beiden. Habt ihr auch so gut geschlafen?“, erkundigte sich „Fiona“. Ich ergriff das Wort: „Nein, bei weitem haben wir nicht so gut wie du geschlafen, obwohl ein Treffen mit Dorbas, in einem Spiegel, auch nicht gerade als angenehm bezeichnet werden kann, oder?“ „Was für ein Treffen?“ „Samantha, du brauchst uns nichts vor zu machen, wir wissen wer du bist!“, lächelte ich. „Ihr Biester!“ Mit diesem Satz wurde „Fiona“ eine Schlange. Sie bewegte sich auf meinen Rucksack zu. „Du brauchst gar nicht nach deinem blöden Spiegel suchen, der ist nämlich nicht mehr da!“, spottete Lia. Darauf hin erhob sich Samantha in die Lüfte und flog in den tiefen Wald. „Wenn sie fliegt ist sie schneller da als wir, und deswegen werden wir bestimmt bald schon von irgendwelchen dunklen Kreaturen angegriffen werden“, erklärte Lia.

 

Kapitel 4

Ist man Unterwasser sicher?

 

Wir waren einige Tage gewandert und sind dann schließlich am Ende des Waldes angekommen. Die Bäume standen immer vereinzelt, nur selten in Gruppen. Der Boden wurde immer sandiger und lockerer. Es gab immer mehr Gräser und Sträucher. Die Luft roch salzig. „Sag mal Lia, kommen wir an ein Meer?“, wollte ich von meiner Gefährtin wissen. „Ich weiß nicht genau, denn ich war bisher nur im Wald. Bis hier bin ich noch nie gekommen! Aber alles deutet daraufhin.“ Wir liefen einige Stunden weiter und kamen an eine Fläche mit vielen Sanddünen. Als wir hinter einer Düne hervortraten überwältigte uns der Anblick:

Vor uns erstreckte sich lang und weit, das große Meer. Es funkelte im Licht, so dass ich mir die Augen zuhalten musste. Ich öffnete sie langsam wieder und sah wie zwei Delfine aus dem aquamarineblauen Wasser sprangen. ,Nein, das konnte nicht wahr sein. So was gibt’s doch nur auf Puzzles!', dachte ich. Das Meer war nicht weit, etwas weiter als der Strom zwischen Nordafrika und Spanien, doch es war sehr breit. „Wollen wir hier bleiben?“, erkundigte sich Lia. Ich nickte stumm. Dann sprang ich ins Wasser, mitsamt Kleidung. „Komm Lia, das Wasser ist angenehm, nicht zu kalt und nicht zu warm!“ Lia rannte ins Meer und dabei spritzte viel Wasser an ihren Beinen hoch. Die Kleider zogen mich nach unten doch ich hielt stand. Lia nahm mich auf ihren Rücken und schwamm weit ins Meer. „Guck mal da! Ein Mensch!“ „Und ein Werwolf. Was die wohl hier wollen...“ „Hast du die Stimmen auch gehört, Lia?“ „Ja! Ob hier noch jemand ist?“ „Ja hier ist noch jemand. Und zwar wir!“ Zwei Wassermänner kamen zu uns heran geschwommen. Sie sahen beide fast gleich aus. Beide hatten ihr langes blaues Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden und sie hatten grüne Sommersprossen. Ihre Augen waren hellblau, fast weiß! Um ihren muskulösen Körper schlang sich Seetang. Der rechte Wassermann hatte einen bronzefarbenen Ohrring. Doch das ungewöhnlichste war, dass die beiden eine Flosse, statt zwei Beinen hatten. Sie war silbern und am Ende ging sie in Gold über. „Darf ich mich vorstellen? Ich bin Shori“, sagte der mit Ohrring, „und das ist Kiol.“ „Ich bin Kaya und das ist Lia“, erklärte ich, „schön euch kennen zu lernen!“ „Wohin geht ihr?“, fragte uns Shori. „Das ist... geheim“, erklärte Lia. „Wenn ihr unsere Hilfe braucht, dann sagt nur Bescheid“, meint Kiol. „Natürlich, das werden wir“, erwiderte ich. Wir schwammen zurück zum Strand. „Kaya, frag Pippit mal ob wir denen trauen können, denn ich glaube, dass wir mit ihrer Hilfe durch das Meer kommen“, riet Lia mir. Ich kramte den Zauberfrosch hervor und spielte die Melodie.

Hallo Kaya, Hallo Lia! Ist etwas passiert? Warum seid ihr so nass?“ Pippit setzte sich auf meine Hand, die übrigens nicht mehr schmerzte. „Wir sind eben hier angekommen und sind sofort baden gegangen. Im Wasser haben wir Shori und Kiol, zwei Wassermänner getroffen. Sie wirkten ganz sympathisch. Sie haben uns ihre Hilfe angeboten. Wir wollten von dir wissen ob wir denen trauen können“, klärte Lia den Frosch auf. Lias Fell was inzwischen, so wie mein Haar und meine Kleidung, von kleinen Salzkristallen übersät, da das Wasser nun verdunstete. Der Frosch überlegte, doch dann sagte er: „Ich möchte die Wassermänner kennen lernen.“ Also gingen wir alle ins Wasser, auch Pippit, obwohl er ein Süßwasserfrosch war, und schwammen zu der Stelle wo wir Shori und Kiol getroffen hatten. „Shori!“, rief ich, „Kiol!“ Lia bellte. Hinter uns tauchten zwei Wassermenschen auf. „Braucht ihr uns doch?“, fragte Shori. Lia sagte: „Jemand möchte euch kennen lernen.“ Sie deutete auf Pippit, der im Wasser munter umher schwamm. Erst jetzt merkte der kleine Frosch, dass die beiden aufgetaucht waren. „Ich bin Pippit, ein Frosch wie man sieht, und wollte euch kennen lernen. Die zwei...“ Er deutete auf Lia und mich. „...brauchen eure Hilfe. Doch letztes Mal als jemand mit ihnen reisen wollte wurden sie von Samantha und Dorbas betrogen. Wir möchten euch nicht verletzen, wenn wir jetzt sagen, dass wir euch erst etwas kennen lernen wollen. Versteht ihr uns?“ „Natürlich. Voll und ganz!“, stimmte Kiol zu. „Wir haben nichts mit denen am Hut! Im Gegenteil. Wir hassen sie auch. Sie wollten mal das ganze Meer austrocknen lassen um an die Schätze auf dem Meeresgrund zu kommen!“, pflichtete Shori bei. „Würdet ihr mir euer Haus zeigen?“, erkundigte sich mein alter Lehrer bei den Wassermännern. Sie stimmten zu. „Lia, Kaya, schwimmt zurück an den Strand und wartet dort auf mich, ja?“

 

Glaubst du wir können mit Shori und Kiol reisen?“ Ich blickte auf. „Vielleicht.“ Inzwischen stand die Sonne tief über dem Wasser. Das Meer war nicht mehr aquamarineblau, sondern es schimmerte leicht violett und etwas bläulich. Die Sonne glühte orange und gelb. Es war als hätte man eine runde Scheibe in allen Orange- und Gelbtönen angemalt. Der Himmel färbte sich schon ganz hoch oben über uns dunkelblau wie eine warme Sommernacht. Darunter war er violett und hell rosa. Von rosé ging er in rot und helles orange über. Über dem Wasser war er fast gelb. Und wieder sah ich Delfine aus dem Wasser springen, doch diesmal war es eine ganze Schule. „Schön, nicht?“, fragte ich Lia. „Ja!“ Sie legte sich vor meine Füße und ich kraulte sie am Bauch und an den Ohren. Lia gab mir ihre Pfote. „Guck mal, da ist Pippit!“ Ich wies auf den kleinen Frosch der nun am Strand saß. „Shori und Kiol kann man trauen, aber ich glaube im Meer gibt es ein paar Schlangengreifer. Morgen kommen die zwei an den Strand und holen euch ab.“ Lia bellte und ich jubelte. „Aber Kaya, vergiss nicht erst ins Wasser zu gehen und dann das Märablatt zu essen. Und du musst deinen Rucksack wasserdicht machen.“ Dann verschwand er. Ich sprach den Zauberspruch und mein Rucksack war wasserdicht. „Märablatt? Was ist das Lia?“ „Ich weiß es nicht.“, antwortete Lia.

 

Hallo ihr beiden! Ihr seid schon wach? Hätte ich nicht gedacht!“, meinte Kiol. „Oh, genau das selbe habe ich von euch gedacht!“, sagte Lia. Ich setzte meinen Rucksack auf und watete ins Wasser. Als ich bis zur Brust im Wasser war gab Kiol Lia und mir eine blaue Pflanze, es war genau die, die Pippit mir in seinem Teich gegeben hat. „Das ist Märablatt. Iss es und geh dann sofort gänzlich Unterwasser!“, erklärte Shori. Ich wusste nur zu gut, was es für Folgen haben könnte, wenn man nicht das tat was Shori sagte. Also aßen Lia und ich die Pflanze und tauchten unter. „Wie lange hält die Wirkung für Märablatt an?“, erkundigte ich mich vorsichtig. „Solange wie du im Wasser bist“, antwortete Shori, „aber wenn du wieder an Land gehst, musst um erneut Unterwasser atmen zu können erneut Märablatt essen.“ Inzwischen waren wir tief unter der Wasseroberfläche. Alles sah im Licht blau aus. An uns schwammen mehrere kleine und große Fische vorbei. Es gab sie in allen Farben des Regenbogens. Ich sah auch einige Fische, die schmetterlingsähnlich waren. Es waren dennoch keine Rochen. Als ich mich umsah bemerkte ich die Delfinschule von gestern. Mit dabei waren einige kleine Delfine, wahrscheinlich waren sie erst seit kurzem auf der Welt. Shori pfiff und ein Delfin löste sich von der Gruppe und schwamm auf uns zu. Kiol unterhielt sich mit ihm mit keckernden Lauten. Kurz darauf kamen beide auf mich zu. „Das ist Rira, sie ist damit einverstanden dich auf ihren Rücken zu nehmen. Willst du auf ihr reiten?“, meinte Kiol. „Au ja!“, jubelte ich lauthals, doch es waren nur komische laute zu hören und Luftblasen zu sehen. „Wir verstehen dich zwar, aber wenn du dich selbst auch verstehen willst musst du dich ganz auf das konzentrieren was du sagst“, erklärte Shori. Also versuchte ich zu sagen, dass es Unterwasser schön ist und nach einigen Malen üben konnte ich mich verstehen. Schließlich stieg ich auf Riras Rücken und sie schwamm mit mir durch die Unterwasserwelt. Wir kamen an einem Riff vorbei, welches wunderschön aussah. Mir sprangen sofort die bunten Korallen ins Auge, da sie überall wuchsen. Danach entdeckte ich die Schwämme und die riesigen Muscheln. An mir flitzten einige Clown-Fische (Besser: Dreiband-Seeanemonen-Fische) vorbei in ihre Anemonen. Ich bewunderte das Riff. „Darf ich mir eine Koralle abbrechen?“, erkundigte ich mich. „Nein! Auf keinen Fall!“, entgegnete Shori mir entsetzt, „das Riff hat mehrere 100 Jahre gebraucht um so auszusehen wie es jetzt ist. Du würdest die Arbeit von unserem Meer zerstören. Ich habe selbst mit angesehen wie sich dieses Riff aufgebaut hat.“ „Tut mir Leid. Ich wusste nicht, dass man das nicht darf. Aber, wie alt bist du eigentlich? Du hast gesagt, dass du mit angesehen hast wie dieses Riff entstanden ist“, meinte ich. „Shori und ich, wir sind so alt wie die Menschen an Fabelwesen glauben. Das tun sie schon seit der Zeit in der die Steinzeitmenschen lebten. Damals haben sie an Zauberer geglaubt, die ihnen bei der Jagd helfen würden.“, erklärte Kiol. „Stimmt! Felicitas ist glaub ich auch eine der ersten Werwölfen, die nicht gebissen wurden. Sie kommt aus der Phantasie der Menschen“, erzählte Lia.

 

Wir waren bei der Schlucht im Wasser angekommen, von der die Wassermänner erzählt hatten. Es war dunkel, so dass wir unsere Hand nicht sehen konnten. Plötzlich regte sich im fast schwarzem Wasser etwas. Dunkle Kreaturen waren es. Sie hatten einen schwarzen schuppigen Körper und drei Köpfe, die aufgefächert waren, so wie bei einer erregten Kobra. An beiden Seiten, des schuppigen Schlangenkörpers wuchsen zwei Flügel. Sie waren fledermausartig, doch sie waren geschuppt. Der Rücken dieser Wesen war mit Stacheln übersät. Ich fand die Kreaturen grauenvoll. „Shori, Kiol! Was sind das für Kreaturen?! Was wollen sie von uns?“, fragte ich entsetzt, als die Wesen auf uns zu kamen. Sie schlugen mit den Flügeln und schlängelten sich durch das Wasser. Ich bekam Panik. „Shori! Kiol!“ Als Rira die Ungeheuer erblickte schwamm sie weg. Ich schwamm schnell zu meinen Gefährten. „Was sind das für Wesen?“, fragte ich abermals. „Das sind Schlangengreifer. Vermutlich hat Dorbas sie geschickt um dich aus dem Weg zu räumen. Gib acht, dass sie dich nicht mit ihren Stacheln.... ARRGH!“ Ein Schlangengreifer hatte Kiol mit seinem Flügel aus dem Weg geschwemmt. Plötzlich kamen drei der Kreaturen auf mich zu. Ich hob meine Arme um mich zu schützen, doch es nützte nichts. Sie kamen immer näher und ich wurde von den Stacheln eines Schlangengreifers gestreift. Und zum zweiten mal wurde alles um mich herum SCHWARZ. Ich sank hinab zum Grund und wurde ohnmächtig.

 

Die Gestalten kamen auf Lia und die anderen zu. Die Wölfin versuchte ihnen die Flügel, mit ihren Zähnen und den Pfoten, aufzureißen. Die zwei Wassermänner kämpften auf ihre eigene Art: Der erste, es war Shori, setzte auf Magie. Er versuchte mit heißen Wasserstrahlen einige der Schlangengreifer weg zu sprengen. Es gelang nur bei einigen der Kreaturen, die auf den Körper eines Mädchens, der auf dem Grund lag, zu schwammen. Kiol versuchte sie mit Seetang zu verwirren. Er hatte eine beträchtliche Menge davon gefunden und versuchte jetzt die übrigen der Schlangengreifer ab zu lenken. Ein paar fielen auf den Trick herein. Shori, der immer noch Wasserstrahlen abfeuerte, näherte sich mit Lia dem Körper des Mädchens. Nun schwamm Shori zu Kiol und er nahm einen Strang Seetang um damit Kaya an den Rücken der Wölfin zu binden. Er schaffte es und Lia entfloh unbemerkt dem Kampf. Ein Schlangengreifer jedoch bemerkte den Fluchtversuch und schoss auf die Wölfin zu. Kiol rief: „Lia, ACHTUNG! Hinter dir!“ Der Werwolf tauchte schnell noch ab und wurde somit nicht von den Giftstacheln des Schlangengreifers gestreift. Shori entfernte sich vom Kampfgeschehen, doch er feuerte noch weiterhin die Wasserstrahlen ab. „Komm ich zeige dir wo du Kaya hinbringen kannst.“

 

Als ich aufwachte lag ich auf Algen gebettet in einer Höhle, die der von Pippit sehr ähnlich war. Ich sah mich um und bemerkte, dass in einiger Entfernung Shori und Kiol mit einander sprachen. „Hör zu! Der Angriff... er war geplant. Sie hatten es auf Kaya abgesehen. Wir müssen sie mehr schützen!“ „Shori, nicht so laut! Aber du hast recht. Sie kommen bestimmt wieder...“ Ich tat wieder so als wäre ich ohnmächtig, doch Kiol bemerkte mich. „Hast du das gehört? Also das, was wir eben besprochen haben.“ Ich nickte, denn meine Stimme hatte versagt. Ich versuchte mit meinen Lippen die Worte „Warum kann ich nicht sprechen“ zu formen. „Das liegt wahrscheinlich an dem Gift der Schlangengreifer“, vermutete Shori, „das Gift lähmt möglicherweise.“ Ich nickte noch einmal. Dann formte ich: „Mein Bein tut sehr weh. Dort wo der Schlangengreifer mich angegriffen hat“. Shori krempelte ein Stück von meiner Hose hoch. Dort klaffte eine große Wunde. Kiol und ich sahen weg. „Es brennt sehr stark“, sagte ich stumm. Shori schwamm in einen anderen Teil der Höhle und kam kurz darauf mit einem Verband aus Seegras zurück. Diesen wickelte er um mein Bein. „In vier Tagen ist die Wunde bestimmt fast verheilt...“, erklärte er.

 

Doch nach vier Tagen war meine Wunde nicht verheilt. Ich glaubte sogar, dass sie größer geworden war. Inzwischen hatte ich meine Stimme wieder, doch sie war nur schwach hörbar. „Kaya, tut es immer noch weh?“, erkundigte sich Lia. Sie legte sich neben mich und ich kraulte die Wölfin. „Ja“, flüsterte ich sehr leise. „Sollen wir nicht mal Pippit fragen ob er uns helfen kann?“ Ich nickte und griff nach meinem Rucksack. Nachdem die Zaubermelodie ertönt war, erschien Pippit. „Was ist los?“, fragte er. Ich deutete auch meinen Verband und sagte: „Ich wurde von einem Schlangengreifer mit dem Giftstachel gestreift. Jetzt habe ich eine große Wunde am Bein und ich kann mich nicht viel bewegen und auch nicht laut reden.“ Der Frosch war entsetzt, dann bat er mich darum den Verband abzunehmen. Ich tat es und zeigte ihm den Riss. Er besah ihn sich genau, und erklärte schließlich: „Ich denke ihr werdet sie finden... Ihr sollt abends Sternmuschel-Perlen unter den Verband legen. Das wird helfen.“

 

Die zwei Wassermänner waren schon lange im Meer unterwegs und waren dennoch bis jetzt nicht auf Sternenmuscheln gestoßen. „Kiol?“ „Was, Shori?“ „Ich glaube wir werden keine Sternenmuschel-Perlen finden...“, meinte Shori. „Doch, das werden wir. Wir kennen uns im ganzen Meer aus, da werden wir doch schon mindestens einmal Sternenmuscheln gesehen haben. Also wirklich, Shori!“ Shori aber, schwamm enttäuscht weiter.

Lange Zeit danach kamen Shori und Kiol an einem Riff an. Es erstreckte sich so weit, dass man hätte glauben können, es würde kein Ende haben. Aus vielen der Korallen stiegen kleine warme Bläschen auf, die an der Wasseroberfläche zerstoben. Zwischen den Bläschen spuckenden Korallen lagen Muscheln und dort wuchsen auch Anemonen. Die Muscheln waren klein und sie hatten viele Zacken. In mehreren lagen sternförmige kleine Perlen. Sie hatten ein warmes Licht und wirbelten in ihren Muscheln umher. In jeder Muschel lag mindestens eine dieser Perlen. „Shori, Shori! Was habe ich gesagt? Wir haben sie gefunden: Die Sternenmuschel-Perlen.“ Kiol klemmte vorsichtig zwischen die beiden Klappen der Muscheln einen kleinen Stein. Dann schüttete er die Muschel über seiner Hand aus. Heraus fielen drei kleine Sterne. Shori nahm sich auch eine Muschel und tat dasselbe. Nach ungefähr drei Minuten hatten beide eine Halbe Handvoll von den Perlen.

Denkst du das sind genug?“ Shori nickte: „Sicher. Wir sollen auch nur ein oder zwei unter den Verband legen...“

 

Ich kam wieder zu mir: Erneut hatte ich, wie so oft in letzter Zeit meine Besinnung verloren. Noch immer sah ich Umrisse nur verschwommen und dachte nur sehr langsam. Lia gab mir etwas zu Essen, die Früchte, die es bei Pippit auch gab, und ich nahm sie an. Ich biss vielleicht fünf mal hinein, dann versank ich wieder im Schwarz.

 

Shori und Kiol schwammen vom Blubberriff immer weiter weg ins offene Meer hinaus. Der sonst klare Ozean wurde immer schwärzer, dunkler, unheimlicher. Und da hörten sie die Geräusche. Normale Ohren, hätten sie nicht wahrgenommen, doch auf die Ohren der Wassermenschen ist Verlass. Es waren gedämpfte Schreie geheimnisvoller Wesen. Man hörte wie sie mit ihren schuppigen Fledermausflügeln das Wasser weg stießen und immer näher kamen. Shori und Kiol hörten, wie sie sich mit ihren drei Kobra-Köpfen durch das Wasser schlängelten. Sie spürten wie sie sich durch das Wasser fortbewegten. Und sie erkannten an all diesen verspürten Dingen, dass es erneut Schlangengreifer waren, die sich ihnen näherten. „Schnell, wir müssen ihnen entkommen! Sie dürfen nicht wissen wo Kaya ist. Wir dürfen ihnen nicht den Weg zeigen!“, rief Shori panisch. Sie tauchten ab, in einen Graben, der zu eng für die Teufels-Kreaturen war. Doch sie konnten dadurch nur wenig Zeit schinden. Die Schlangengreifer schwammen über den Graben hinweg. Shori und Kiol tauchten in einem Wald aus Schlingpflanzen unter und schüttelten ihre Verfolger so vorerst ab.

 

Psst! Seid leise“, meinte Lia, als sie Shori und Kiol sah, „sie ist wieder am Schlafen.“ Dabei stimmte es gar nicht mehr. Ich war zwar noch etwas benommen, dennoch bemerkte ich sehr wohl die Ankunft, der zwei Wassermänner. Ich richtete mich schwach auf meinem Lager auf und begrüßte Shori und Kiol mit leiser Stimme. Sie erzählten mir wie sie knapp den Schlangengreifern entkommen waren und dass sie die Perlen gefunden hatten. Während ich weg guckte öffnete Kiol den Verband und legte zwei Perlen auf die Wunde. Sie fühlte sich plötzlich nicht mehr so kalt und tot an und durch die Wärme, die sie durchströmte, wurde ich erneut müde.

 

Kiol meinte: „Kaya, du siehst besser aus.“ Ich zuckte mit den Schulter. Meine Stimme hatte ich nun fast ganz zurück. Ich biss in eine der bunten Unterwasser-Früchte. Mir wurde nicht mehr so oft schwindelig und ich verlor in letzter nicht mehr die Besinnung. Anscheinend wirkten die Sternenmuschel-Perlen. Zum Teil sah ich noch etwas verschwommen und konnte nicht sehr klar denken, doch es war nicht mehr so anstrengend wie vor ein paar Tagen. „Kaya, Shori und Kiol meinen, dass wir in drei Tagen oder so weiterreisen können ,wenn es dir weiterhin immer besser geht. Wärst du bereit, oder fühlst du dich noch zu schwach dafür?“ Ich war zwar noch etwas schwach, doch ich konnte gut weiterreisen. Ich wollte doch Lia und den anderen Werwölfen helfen! „Ich will weiter. Wir müssen es schaffen. Wir haben uns bereit erklärt. Felicitas setzt ihr Vertrauen in uns“, erklärte ich. So reisten wir weiter.

 

Ich wurde von einem kleinem Krebs geweckt: Er zwickte mich herzhaft ins Gesicht. „AU! Was soll das?!“ Doch er beachtete mich nicht und krabbelte zu Lia, die neben mir schlief. Auch diese wurde so nett wie ich geweckt. Nach einigen Minuten kam Kiol: „Wie ich sehe hat Francais seinen Dienst getan.“ „Der Krebs war von dir?“ Lia setzte einen ungläubigen Blick auf ihr Wolfsgesicht. „Und von mir.“ Shori kam heran geschwommen. „Hier nehmt die Früchte mit. Und das auch“, meinte er und gab mir etwas Märablatt und das Unterwasser-Obst.

Wir schwammen mit den beiden Wassermännern zum anderen Ufer. „Ciao ihr beiden!“ „Ja, Ciao.“ „Tschüss Shori, Tschüss Kiol!“ Und Lia stimmte ein lautes Wolfsgeheul an. „Passt auf, wenn ihr an den „Verführenden Klippen“ seid!“, rief Kiol uns hinterher.

 


Kapitel 5

Qualen in der Wüste

 

Wir tauchten aus dem Wasser auf und blickten ins strahlende Sonnenlicht. Wir hatten uns echt einen schlechten Zeitpunkt ausgesucht um an Land zu gehen. Doch wir gingen unbeirrt weiter. „Lia, weißt du wo wir lang müssen?“, erkundigte ich mich bei der Wölfin. Sie schüttelte ihren zottigen Kopf. „Ich vermute wir müssen einige Zeit am Meer entlang bis wir in das Sand-Land gelangen.“ „Sand-Land? Meinst du eine Wüste?“, fragte ich verwundert. Sie nickte, falls man das bei einem Wolf so nennen kann und erklärte mir, dass die Wüste hier Sand-Land oder auch Descru ([sprich: Desskruu] Sprache der ganz Alten, wie von Felicitas oder Shori und Kiol) genannt würde.

Nach einiger Zeit kamen wir an eine Klippe. Direkt neben der Klippe waren Wolken. Weiche, weiße, flauschige Wolken. „Lia kann man bei euch eigentlich auch auf Wolken sitzen?“, fragte ich meine Begleiterin. „Ja, zum Teil schon. Ich denke auf der da...“ Sie deutete mit ihrer Pfote auf die Wolke, „...schon. Aber mach es lieber nicht. Ich kann mich auch täuschen.“ Doch das hörte ich nicht mehr. Ich wollte unbedingt wissen wie es sich anfühlt auf einer Wolke zu sitzen. Ich war an der Klippe, die Wolke kam näher auf mich zu, ich lehnte mich über die Klippe und da... „KAYA! TU ES NICHT!“ Ich wirbelte herum. Dort saß in einiger Entfernung Pippit. „Was machst du denn hier. Warum soll ich es nicht tun?“ „Kaya, haben Shori und Kiol es euch nicht erklärt?“ Ich schüttelte meinen Kopf.

Das sind die „verführenden Klippen“. Sie zeigen wundervolle Dinge, die leider nicht wahr sind. Du hast dir vielleicht einmal gewünscht auf einer Wolke zu reiten. Das „weiß“ diese Klippe. Dort wohnen Ghule. Sie machen das Bild. Die Klippe ist ca. 200m hoch, das Wasser dort drunter ist nur 5m tief. Kannst du dir vorstellen, was mit dir passiert wären, wenn du auf dieses Trugbild gesprungen wärst?“ Ich nickte schuldbewusst. Ich konnte mir nur zu gut vorstellen, was passiert wäre wenn ich dort unten aufgeschlagen wäre. „Aber Pippit, was sind Ghule?“, fragte ich den Frosch. Er sagte, dass Ghule Untote wären, die keine Geister sind. Sie verschlingen alles was ihnen in die Quere kommt. Sie sind stark und schnell und die böse Seite von einem. „Gehören sie zu Dorbas und so?“, fragte Lia. „Nein, sie sind ein eigenes Volk. Sie leben in ihrer eigenen Stadt und hören nur auf ihres Gleichen. Das Einzige, was sie an Dorbas interessieren könnte ist, wie er schmeckt.“ Ich lachte. Dann fragten wir Pippit noch wo wir nun entlang müssten. Er gab uns eine Karte. Dort war der Teil der magischen Welt eingezeichnet, den wir entlang mussten. Es war noch ziemlich weit. Kleine Wölfe und Menschen die mir ähnlich sahen, waren dort hin gemalt worden, wo wir entlang mussten. „Hey, wir müssen direkt durch die Wüste“, meinte Lia, „Pippit gibt es keinen anderen Weg? Pippit? Pippit! PIPPIT!“ „Er ist wieder weg, Lia.“ Die Wölfin sah sich suchend um. Es gab also keinen anderen Weg.

 

Nach einigen Tagen waren wir an der Grenze zur Wüste. Dort wurde es immer heißer und es gab immer weniger Wolken. Lia überließ mir das ganze Wasser. Sie erklärte, dass Werwölfe eine ganze Zeit ohne Wasser auskommen konnten, wenn sie nur jede Nacht den Nachthimmel und den Mond betrachten konnten. Ich beneide Lia noch manchmal deswegen, doch ich habe nun in meinem neuen Leben auch einige Vorteile.

Schließlich sind wir dann in der Wüste angekommen. Doch wir kamen immer langsamer voran. „Lia, lass uns Pause machen, bitte. Mein Bein tut wieder weh“, bat ich Lia schwach. Und Lia hatte wieder einen dieser Werwolf-Vorteile: Sie war enorm stark und nahm mich auf ihren Rücken, wenn ich nicht mehr konnte. Zwar war sie so gebaut, wie ein normaler Wolf, doch sie hatte durch den Mond und die Sterne enorme Kräfte. Sie könnte sogar ein Pferd tragen!

Lia, lass uns da mal Rast machen. Ich will etwas entspannen. Es ist zwar bequem auf deinem Rücken, aber der Sand ist doch ein bisschen besser...“ Ich legte mich in den Sand und schlief nach einiger Zeit ein, denn das Gift wurde immer stärker.

 

Über ihnen kreisten die Geistergeier. Große Vögel waren es. Sie hatten große Schwingen, waren dennoch sehr leise. Sie hatten von unten himmelblaues Gefieder, schaute man auf sie herab so war es aber sandgelb. Hatte man die Geistergeier entdeckt, so wurden sie unsichtbar. Drehte man ihnen den Rücken zu, so wurden sie sichtbar und warteten darauf, dass man etwas vergaß, das sie sofort mitnahmen. Die Vögel kreisten einige Zeit über dem schlafenden Mädchen, plötzlich stürzte ein Geier hinab, er raste auf den Sand zu, auf Kaya und Lia, doch im letzten Moment fing er sich. Doch erneut kam er und dieses mal setzte er sich neben den Rucksack. Er öffnete ihn mit seinem Schnabel und wühlte. Den Proviant stahl er, dann stieß er einen schrillen Schrei aus. Lia blickte auf und sah den Geistergeier. Aber nach einem Augenblick war er verschwunden. Sie hörte noch wie er abhob, dann verlor sie seine Spur.

 

Ich wachte wegen einem schrillen Schrei auf. „Was war das, Lia?“ Lia beachtete mich nicht, schnupperte und hörte angestrengt. „Lia?“ „Geistergeier.“ „Was?“ „Geistergeier.“ „Lia, was sind Geistergeier?“ Die Wölfin legte ihren Kopf schief. „Sie sind Vögel. Aas-Fresser und Diebe. Sie stehlen Proviant.“ „Meinst du damit auch unseren Proviant?“ Sie nickte. Ich schüttelte den Kopf und lief zu meinem Rucksack hinüber. Dort fand ich nur noch das Wasser und die anderen Dinge. Der Proviant war wirklich weg. Ich kramte und suchte und fand... „Der Zauberfrosch! Lia, lass uns Pippit holen. Er weiß bestimmt Rat“, meinte ich begeistert.

So flötete ich nach Pippit. Er erschien. „Pippit, Pippit. Uns wurde der Proviant gestohlen und Kayas Wunde fängt wieder an zu schmerzen. Wir brauchen deine Hilfe...“ Der Frosch sprang zu mir heran. Ich öffnete den Verband. Meine Wunde war nur noch ein roter Strich, doch sie tat trotzdem weh. „Habt ihr noch Sternenmuschel-Perlen?“ Ich holte das kleine Säckchen von Shori und Kiol hervor. Es war

schon einigermaßen leer. „Noch ein paar...“, meinte ich. „Kaya, ich bringe dir jetzt einen Spruch bei, mit dem du testen kannst, ob etwas genießbar ist oder nicht. Wenn du sagst ,Ce' und deinen Blick auf ein bestimmtes Ding fixierst, dann leuchtet es für einen Augenblick leicht auf, falls es essbar ist. Wenn nicht bleibt es so. Versuch es mal mit diesem Brot“, erklärte Pippit. Ich fixierte meinen Blick auf das Brot. „Ce!“ Nichts geschah. „Ce!“ Das Brot leuchtete leicht auf. „Ce!“ Das Leuchten wurde kräftiger. „Ja, du kannst es, Kaya!“ „Dürfen wir das Brot behalten?“ Ich griff danach, doch es löste sich in dem Moment, in dem Pippit verschwand auch, auf.

 

Ich ritt auf Lia und sah mir matt die Wüste an. Zum einen Teil kam diese Müdigkeit von der Hitze, zum anderen von... Ihr wisst schon. Ich entdeckte etwas in der Wüste. Es war hoch, und grau-braun. Steintürme. Ich nahm die Karte aus dem Rucksack und besah sie. Dort wo wir waren, waren der Wolf und der Mensch rot markiert. Ein paar Zentimeter weiter von uns war eine Fläche mit dem Namen „Kakteen-Tal“. Dahinter war weiterhin Wüste, doch es waren Menschen und Wölfe durch das Tal hindurch gezeichnet worden. „Lia, wir müssen dort entlang.“ Ich zeigte in die Richtung der Steintürme. Lia sah dort hin. Dann ging sie darauf zu.

 

Es war auch im Kakteen-Tal sehr heiß. Dort gab es nur leider keine Kakteen. Nur diese sonderbaren Steintürme. Sie waren groß, braun, zackig und spitz. Es gab kein Grundwasser und wir hatten es nicht sonderbar leicht, denn die Nächte wurden kälter denn je. Ich war schwach, unter anderem auch wegen so wenig Wasser, aber mein Wille war stark: Ich wollte, sollte, musste die magische Welt mit Lia retten!

Wir machten Rast und bemerkten, dass wir sehr wenige Früchte hatten. Sie waren voll mit Wasser und so süß, dass man nicht trinken brauchte, wenn man sie aß. Auf dem Boden neben unserem Rastplatz lag im Sand eine braune Frucht. Sie war eher eckig als rund, doch sie sah einer Frucht ähnlich. Ich hob sie auf und wollt gerade hinein beißen, als Lia sagte, ich müsse diesen Test-Zauber machen. „Ce!“ Die Frucht leuchtete auf. „Hey, Lia. Sie ist essbar!“ Ich aß sie und sie schmeckte. So in etwa wie eine Banane schmeckte sie, nur ein wenig saftiger. „Woher stammt sie?“, fragte Lia. Ich zuckte die Schultern. „Warum. Hauptsache wir haben sie gefunden!“ „Kaya, wenn wir wissen woher sie stammt, finden wir mehr davon! Dann haben wir mehr Proviant“, erklärte mir Lia etwas gereizt. Ich ging durch das Tal und verzauberte jeden Stein den ich fand. Plötzlich sah ich die Geistergeier erneut über uns kreisen. Den Blick gen Himmel gerichtet, rannte ich zu Lia und...

...lief direkt gegen einen Steinturm. Aber zu meinem Erstaunen federte der Turm meinen Schwung ab und ich fiel in den Sand. Das war nicht so gut, denn unter mir wuchsen aus der Erde zahllose Stacheln und ich wusste nun, dass die Steintürme Kakteen waren. „Ce!“, rief ich. Und wieder staunte ich: Der Kaktus leuchtete auf. „Lia! Die Steintürme sind essbare Kakteen!“, jubelte ich. Doch die Wölfin saß vor meinem Rucksack und sah auf die Karte von Pippit. Ich kam, herbei setzte mich zu ihr und sah was passierte: Auf der Karte erschien eine Schrift. Viele Tintenkleckse und verschwommene Schrift verrieten, dass Pippit es geschrieben hatte.

 

Kaktusfelsen

Kaktusfelsen sind eine besondere Art von Kakteen, denn sie sehen aus wie Steintürme und haben keine Stacheln. Berührt man jedoch diese Pflanzen unsanft, kann es passieren, dass die Stacheln aus dem Boden heraus wachsen und jedes Lebewesen, das dort liegt seinen Schmerz zu spüren bekommt.

Die Früchte der Kaktusfelsen sind süß und braun, verraten sich jedoch an dem Stich ins hell grün, dass sich irgendwo auf der Schale verbirgt. Sie haben, anders als das meiste Obst, eine eckige Form und sind mit Schale essbar.

Der Saft dieser Pflanzen wirkt heilend wenn man ihn trinkt und über der Wunde verreibt. Er lindert Schmerzen und hilft gegen Besessenheit. Er ist sehr wertvoll, da nur wenige Werwölfe und auch andere Fabelwesen von ihm wissen.

 

Doch es folgte noch etwas, das noch glänzte, als ob man es gerade hinzugefügt hätte.

 

Diese Karte gibt euch, immer wenn ihr Dinge über etwas herausgefunden habt, nähere Informationen.

Pippit

 

Ich war fasziniert. Logischerweise, wenn der Saft dieser Früchte gegen Schmerzen hilft, könnte ich doch versuchen, damit die Schmerzen meiner Wunde zu lindern, oder?

 

Das Kakteental schien endlos zu sein. Lia und ich ersetzten die Unterwasserfrüchte durch Kaktusfelsen. Sie schmeckten gut und, wie Pippit es auf der Karte beschrieben hatte, ließen die Schmerzen nach. Wir wanderten größtenteils nachts, in der Kühle. Am Tag schliefen wir im Schatten der Kakteen. Doch irgendwann, stießen wir auf einen Wanderwald.

 

Gute Nacht, Kaya!“ „Gute Nacht, Lia!“, murmelte ich noch halbwegs verschlafen. Ungeduldig heulte Lia dem Mond entgegen. Ich stellte mich hin. „Komm lass uns weiter gehen“, meinte ich. Doch da hörten wir ein Rascheln. „Was war das?“ Ich sah Lia verwundert an. „Was?“ „Na DAS, Lia.“ „Ich höre nichts.“

Es raschelte erneut. „Kaya?“ „Ja?“, antwortete ich leise, doch es klang wie eine Frage.

Nochmal raschelte es. Es klang wie Blätter die sich im Wind wiegen. Doch wo gab es hier erstens Wind und zweitens Blätter für dieses Geräusch?

Lia, es klingt wie das Rauschen von den Blättern im Wind“, meinte ich zweifelnd. Sie rückte näher zu mir. „Lass uns dahin gehen, wo das Geräusch herkommt. Wir sehen es uns von fern an“, schlug sie vor. Ich nickte, setzte mich auf ihren Rücken und kraulte sie hinter den Ohren. „Ja.“

 

Lia trabte los. Ich hatte Angst, doch irgendwie fühlte ich mich auch auf eine neue Art und Weise frei. Wild und frei. Der Wind wehte mir die Haare aus dem Gesicht und ich hörte Lia hecheln. Ich lächelte und sie rannte noch schneller; sie spürte meine Freude und fing an zu heulen. Ich stimmte so gut es ging ein.

Dann wurde Lia langsamer und sie blieb schließlich stehen und stellte das Geheul ein. Vor uns ragte ein Wald aus der Erde. Bei Tag hätte man ihn gesehen. Gestern war es EINDEUTIG nicht da. Nein. Die Blätter der Bäume raschelten. „Hallo?“, fragte ich zaghaft. Doch dann rief ich mutiger: „Hallo!“ Ein leises Rascheln. Dann kam ein kräftiges Rauschen. Schließlich war alles wieder still. Lia sah verwundert zu mir auf. Ich zuckte die Schultern und betrat den Wald. ,Das solltest du nicht tun!´, sagte eine Stimme in meinem Kopf. Aber ich tat es doch. Lia folgte mir skeptisch. Sie lief vor mir her, als ob sie mich schützen wollte. Ich tastete mich wegen der Dunkelheit an den Baumstämmen entlang. Jedes mal hörte ich ein Rascheln. Und manchmal ein Knarren, das wie ein Seufzer klang.

Ich stolperte plötzlich über ein Wurzel und fiel unsanft gegen einen Baum. „Du!“, hörte ich da eine tiefe Stimme sagen. Als ich mich aufrichtete sagte eine hohe helle Stimme: „Weg da, du!“ Ich sah nach unten. Unter meinem Fuß war ein Sprössling. Ich hob ihn an und stellte ihn woanders in. „Danke.“ „Sorry“, murmelte ich. „Warte! Hast du „Danke“ gesagt?“, fragte ich den Sprössling. „Klar, wer denn sonst?“ Verunsichert sah ich zu Lia.

 

Wir hatten schon einiges durchgemacht. Ich war von zu Hause abgehauen um einem wildfremden Werwolf zu folgen. Er hätte mich fressen können. Ich war bei Pippit unterwasser im Teich. Wir haben Samantha getroffen. Meine Hand ist fast verbrannt. Dann sind wir mit Shori und Kiol durch das Meer gereist. Die Schlangengreifer haben mein Bein aufgerissen. Wir sind durch die Wüste gewandert und vorher bin ich fast von den Klippen gefallen. Und jetzt DAS. Bäume die sprechen! Worauf habe ich mich in dieser Welt eingelassen?! Ob ich hier jemals noch halbwegs normal im Kopf rauskomme?

 

Lia?“ Ich blickte fragend in das Gesicht der Wölfin. Sie sah mich an. Dann fragte sie: „Wer seid ihr? Wohin wollt ihr? Von wem kommt ihr?“ Einer der Bäume wisperte mit tiefer Stimme: „Wir sind Bäume. Ein Wanderwald. Wir können laufen wohin wir wollen. Unsere Wurzeln sind auch unserer Füße. Es gibt aber nur sehr wenige Wanderwälder: Viele Menschen glauben nicht daran.“ Dann raunte ein alter knorriger Stamm: „Wir wollen nirgendwo hin. Wir laufen immer weiter. An ferne Orte. Wir nutzen unsere Fähigkeit.“ Zuletzt erklärte uns ein kleiner junger Baum: „Wir sind frei. Frei wie die Vögel. Wir brauchen nichts. Uns reicht Sonnenlicht und Wasser.“ „Aber was ist mit euch?“, hörten wir einen vom Blitz getroffenen Baum murmeln. „Wir sind Kaya und Lia. Wir kommen aus dem Teil des Waldes der an die Menschenwelt grenzt. Wir kommen von Felicitas“, erklärte Lia. „Und wohin wollt ihr?“ Ich holte die Karte aus meinem Rucksack. Die Figuren gingen bis zu einer kleinen Stadt. „Wir müssen nach Xar-to oder so in der Art“, versuchte ich in der Dunkelheit zu entschlüsseln.

Ein Raunen ging durch den Wald. Schließlich antwortete ein Baum: „Ich bin dort gekeimt. Wir könnten euch dort hin bringen.“ Ich sah Lia erneut fragend an. Sollten wir dieses Angebot annehmen?

 

Wir nahmen dieses Angebot an. Auch wenn es eine Gefahr sein könnte, Lia und ich fanden es sicherer mit jemandem zu reisen, der den Weg kannte. Wir konnten wieder die normalen Gewohnheiten von Menschen und Werwölfen annehmen. Wenn der Wald lief, fühlte es sich an als würden wir schweben.

Ich kletterte auf einen Baum und sah mir die Welt von oben an. Nichts weiter als Sand und Sand und Sand. Es gab keine Wolken. DORT! War das in der Ferne, ein Wald? Nein, ich hatte es mir nur eingebildet. Ich kletterte von dem Ahorn auf die Pappel, sie war höher. „Pass auf! Nicht auf den Ast da vor dir. Der sieht stabil aus, ist aber seit Jahren schon sehr schwach durch den Einschnitt dort, von einem Blitz.“ Ich sah mich um. „Ahorn, welchen soll ich statt dessen nehmen?“ Ich sah mich noch einmal um. „Den über dir. Und dabei kannst du mich doch gleich da am Stamm kratzen. Es juckt mich da schon ganz lange“, sagte der Baum. Ich tat was er verlangte. Dann kletterte ich auf den Ast des Ahorns und griff fest den Ast der Pappel, der sich mit ihm kreuzte.

 

Lia lag neben mir und sah in den Himmel. „Ist dir eigentlich schon aufgefallen, dass wir immer langsamer voran kommen? Ich fühle mich fast gar nicht mehr „schwebig“!“, flüsterte sie. Ich sah lange in den Himmel. „Stimmt“, flüsterte ich schließlich zurück. Doch dann schlief ich ein.

Als ich aufwachte war es Nacht. Die Bäume ächzten und stöhnten laut vernehmlich. Ich sah mich nach Lia um. Sie stand vor einem Baumstumpf und jaulte. Ich lief zu ihr. „Lia was ist los?“ Sie erklärte mir, dass die Bäume nun seit einigen Tagen kein Wasser mehr finden konnten, so tief sie ihre Wurzeln auch in die Erde streckten. Ich erschrak. Der Wald würde austrocknen! „Kann man denn nichts tun?“, fragte ich entsetzt. „Nein“, raunte der Baumstumpf, „wenn es kein Wasser gibt, gibt es kein Wasser! Da kann man leider nichts ändern.“ „Lia?“ Ich sah sie verzweifelt an. Es tat mir Leid um die Bäume. Sie hatten niemanden der an sie glaubte und nun hatten sie auch kein Wasser... Entsetzlich.

 

Der Wald entschloss nicht stehen zu bleiben, sondern stetig nach Wasser zu suchen. Sie leisteten viel Arbeit und machten uns vor, dass sie gut ohne Wasser auskämen, doch an vielen Ästen hingen nun gelbe und braune Blätter. Ich sah immer öfter mit Lia auf der Karte nach wo es Oasen geben könnte, doch entweder kannte Pippit diese Gegend recht schlecht, so dass er keine einzeichnen konnte, oder es gab einfach keine Wasserstellen. Ich hoffte immerzu, dass Pippit die Wüste nicht gut genug kannte, aber ich wusste genauso gut wie Lia, dass es keine Oasen gab. Die jungen Bäume halfen aus Leibeskräften mit voranzukommen doch sie hatten nicht so viel erlebt wie ihre knorrigen, alten Kameraden und so gaben viele auf.

 

Eines Nachts träumte ich etwas, dass den ganzen Wald retten könnte:

Ich lief umher. Dann traf ich plötzlich auf meine Familie. „Du kannst sie retten, Kaya. Denke an Firá! Die NAMEN“, rief meine Mutter mir zu. „Die Namen, Namen, Namen...“ Hallte es wieder. Plötzlich war sie verschwunden. Aber ich sah vor mir mein Zeugnis: Bischöfliches Privat Gymnasium St. Marya – Kaya... weiter konnte ich es nicht lesen, denn dann war dort ein Heft von mir: Mathematik – Kaya – Klasse 8... Meine erste Urkunde im Reiten: Herzlichen Glückwunsch! Kaya hat im Reitturnier...

Ich wachte auf. Lia war noch nicht wach, aber es war ja auch noch dunkel. Während ich mir den Kopf über den Traum zerbrach, dämmerte es langsam und die Sonne ging in einem Mantel aus rot und orange Tönen auf. Sie blitzte erst nur leicht, um dem Mond einen schönen Schlaf zu wünschen, dann stieg sie am Himmel empor und überschütte die Welt mit Wärme und Licht. „Lia, Lia! Komm hilf mir!“, sagte ich sofort aufgeregt zu Lia, als sie erwacht war. Sie bellte. „Ich habe was geträumt: Ich habe meine Familie getroffen. Meine Mutter hat mir etwas davon erzählt, dass ich sie retten könnte wenn ich die Namen habe, oder so... Und dann habe ich mein Zeugnis gesehen, ein Schulheft von mir und die Urkunde von meinem ersten Reitturnier. Und dann bin ich wach geworden.“, erzählte ich Lia. Sie „nickte“ nur.

 

Also noch einmal: Deine Mutter hat gesagt, die Namen sind von Bedeutung. Und du hast deinen Namen gelesen. Und du sollst auch an Firá denken?“, fragte Lia. Ich nickte geistesabwesend.

 

,Kaya

Ryta

Nycki

Mycki

Fyss

Yütto

Bylli

Namen. Was haben die Namen mit dem Wald zu tun? Was? Ergeben die Anfangsbuchstaben ein Wort?

KRYNBM. BYMKRN. MYKRBN.

Nein. Das konnte es nicht sein. Und was ist mit Firá? Soll uns vielleicht ein „feuriger Wolf“ retten? Lia vielleicht? Also feurig ist sie nicht. Diese Stadt, Firá, hat nichts an sich was besonders ist! Nur eben dieses dumme „Y“.'

 

Lia, ich hab's!“ Sie schreckte auf. Es war schon dunkel und sie schlief schon fast. „Was denn, Kaya?“ „Die Namen, ich weiß was sie damit meinten! Das „Y“! Deswegen Kaya! Es ging nicht

um mich, es ging um meinen Namen, wie man ihn schreibt!“ „Gut. Und um WAS hat es dich jetzt weiter gebracht?“, fragte Lia mich. „Um nichts“, sagte ich enttäuscht. „Ist das ein Grund mich zu wecken wenn ich schlafe?“ „Wir könnten über das Y nachdenken“, schlug ich vor. „Naja, meinetwegen“, sagte Lia. Sie gähnte.

Wir lagen nebeneinander auf dem Waldboden und sahen hoch in die Baumwipfel. Sie waren wunderschön. „Guck mal da! Lia, der Ast sieht aus wie eine Schlange.“ „Ja, und der da hinten, der sieht aus wie eine Wünschelrute“, meinte Lia. „Nein, eher wie ein Y.“

Y? Hatte ich Y gesagt?

Lia, ich weiß es: Wir müssen eine Wünschelrute haben um den Wald zu retten!“ „Wie kommst du denn jetzt darauf?“, fragte sie mich erstaunt. Ich erklärte es ihr. „Natürlich!“, stöhnte sie. „Das ist doch so logisch! Ein Y ist eine Wünschelrute!“ Ich stand auf und ging zu einem Baum. „Wer von euch gibt mir eine Astgabel?“, fragte ich. Krachend fiel ein Ast zu Boden. „Danke“, flüsterte ich und hob ihn auf.

 

Ich stand früh auf und holte mein Taschenmesser aus meinem Rucksack. Dann bearbeitete ich die Astgabel so weit, bis die Rinde abgeschnitzt war und man sie gut in den Händen halten konnte. Als Lia auch wach war, ging ich aus dem Wald hinaus in die Wüste. Alle Bäume waren still. Ich schloss meine Augen und lies mich von der Rute leiten. Sie lag locker in meinen Händen. Doch langsam zuckten meine Hände. Ich war noch nie mit einer Wünschelrute unterwegs gewesen, doch ich war mir sicher, dass es so sein musste. Ich lief weiter in die Wüste hinein. Meine Hände zuckten immer stärker. Und plötzlich geschah etwas unglaubliches:

Meine Hände konnte ich nicht mehr kontrollieren. Und meine Beine auch nicht. Ich öffnete meine Augen und ging in die Knie. Ich fiel zu Boden. Mit letzter Kraft stemmte ich die Wünschelrute in die Erde. Wasser sprudelte hervor. Ich drückte die Rute tiefer in die Erde. Ein großer Strahl Wasser quoll daraus hervor.

Die Bäume liefen erschöpft zu dieser Stelle. Lia rannte zu mir. Sie stupste mich mit ihrer Schnauze an. Ich legte mich mir letzter Kraft auf ihren Rücken, dann trug sie mich in den Wald. Die Wünschelrute hatte mir alle Kraft geraubt. Ich hörte nur noch wie der Ginko fragte: „Wessen Ast war es?“ Darauf antwortete die Kastanie: „Der der Eiche.“

Dann sank ich zu Boden.

 

Kapitel 6

Nach Xarto zu Remon

 

Ich schlug Meine Augen auf. Im Wald war es sehr hell. Das Licht brach sich im aufsteigenden Nebel und es sah so aus als wenn man die Stahlen berühren kann. Der Nebel wirbelte umher. Lia lag neben mir.

Nebel. Wir waren nicht mehr in der Wüste! Auf meiner Haut waren auch einige Tröpfchen davon. Ich war fasziniert. Ich schrie vor Freude, doch niemand antwortete mir oder ermahnte mich leise zu sein. Aber Lia wurde wach. „Hallo Kaya! Du bist ja wieder wach!

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